„Beklemmende Aktualität“: Gedenken an 17. Juni vor der russischen Botschaft in Berlin
Vor der Auslandsvertretung Russlands sind momentan Fotos vom Volksaufstand 1953 ausgestellt. Zora Block von den zuständigen „Kulturprojekten“ sagt, das sei „kein Zufall“. Von Robert Ide
Spuren des 17. Juni in der Stadt ausfindig zu machen, ist gar nicht so einfach. Erinnerungsreste finden sich an der früheren Stalinallee (heute Karl-Marx-Allee), wo auf den Baustellen des Sozialismus einst die Revolte für bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen losbrach. Vor dem Haus der DDR-Ministerien in Mitte, einst Hauptquartier von Hermann Görings Nazi-Luftwaffe und heute Bundesfinanzministerium, wo die Menschen nach Freiheit und Demokratie riefen, gibt es inzwischen ein Bodendenkmal für die Mutigen. Neu hinzugekommen auf dem unwirtlichen „Platz des Volksaufstandes von 1953“ ist ein historisches Plakat. Es ist Teil einer Ausstellung, mit der in Berlin an den Aufstand erinnert wird – in einem allerdings bescheidenen Rahmen.
Mehr Plakate mit historischen Bildern gibt es Unter den Linden, direkt vor der russischen Botschaft. Sie umrahmen dort die zivilgesellschaftliche Mahnwache gegen den russischen Terrorkrieg. Ist dies Absicht und wirklich die richtige Idee, das Gedenken an die ukrainischen Kriegsopfer quasi zu überdecken? „Es ist kein Zufall“, sagt Zora Block von den zuständigen „Kulturprojekten“ auf Checkpoint-Anfrage. „An diesem historischen Ort des Aufstands bekommen die Bilder der sowjetischen Panzer beklemmende Aktualität. Sie erinnern daran, dass auch heute russische Panzer eingesetzt werden, um Bestrebungen nach Freiheit und Demokratie zu unterdrücken.“
Am Donnerstag beschäftigten sich Bundestag und Abgeordnetenhaus in Aktuellen Stunden mit dem Volksaufstand (nachzulesen hier). Im Tagesspiegel erinnern wir am Sonnabend ausführlich mit einer Spurensuche an den historischen Orten an Macht und Ohnmacht der Aufständischen. Darüber hinaus bietet die „Berlin History App“ ab dem heutigen Freitag einen Liveticker mit allen historischen Ereignissen, minutengenau 70 Jahre später. Präsentiert vom Tagesspiegel, wird mit Karten, Dossiers und vielen historischen Dokumenten die Geschichte neu erlebbar (abrufbar hier). Damit die Erinnerung an die Mutigen, die für unsere heutige Freiheit gekämpft haben und dafür teilweise umgebracht wurden, niemals stirbt.