„Visit Berlin“-Chef: „Gummiboot-Parade war ein Desaster für das Ansehen Berlins“
Berlin ist in Zeiten einer Pandemie nicht mehr der „place to be“. Dass die Stadt in den vergangenen Monaten coronabedingt die Entwicklung vom „overtourism“ zum „undertourism“ vollzogen hat, haben wir alle bemerkt. Dass die Tourismusgesellschaft „Visit Berlin“ alles daran setzt, die Anziehungskraft wieder anzukurbeln, merken die Menschen jetzt höchstwahrscheinlich bundes-, wenn nicht gar weltweit. Rund 100 Interviews hat Chef Burkhard Kieker laut eigener Aussage in den vergangenen Wochen geführt. Die Reichweitenbilanz: 29,3 Millionen + 30 Millionen durch Bannerwerbung + Social Media. Dazu Anzeigen in Fernsehzeitungen, dem Edeka-Reisenewsletter und bei Urlaubsguru. Man habe „gerade erst angefangen die Munition zu verschießen“, sagt Kieker.
Ein ausreichender Anstieg der Buchungen bleibt bis dato aus. Während Kieker Ende Mai noch von einer Juliauslastung von 50 bis 60 Prozent gesprochen hat „wenn Schweizer, Österreicher, Niederländer und Skandinavier wiederkommen könnten“, liegen die aktuellen Sommerprognosen bei 15 bis 18 Prozent. Viele verreisen überhaupt nicht. Wer verreist, „denkt vorrangig nicht an eine Großstadt“. Dazu kommt laut Kieker, dass Aktionen wie „die Gummiboot-Parade der Gummibootvollpfosten ein Desaster für das Ansehen Berlin“ sind. Da fehlten jeglicher Verstand und jegliche Sensibilität. „Und mit einer Kampagne allein kann man nicht ganz Berlin retten.“