Berlin ist Hauptstadt bei Bleirohren in alten Wohnhäusern
Seit Mitte Januar dürfen die betroffenen Wasserleitungen grundsätzlich nicht mehr betrieben werden. Die Nachverfolgung gestaltet sich aber als schwierig: Wie viele Häuser noch davon betroffen sind, weiß keine der damit befassten Institutionen. Von Valentin Petri.
Immerhin eines hat die Hauptstadt im Überfluss: Bleirohre. Seit Mitte Januar dürfen die potentiell gesundheitsschädlichen Wasserleitungen grundsätzlich nicht mehr betrieben werden. Doch wie viele Häuser davon noch betroffen sind, wissen weder Gesundheitsämter noch der Senat noch das Statistikamt noch die Wasserbetriebe.
Bei der Sanitärinnung geht man von bundesweit 38.000 bis 90.000 belasteten Gebäuden aus. „Es gibt zwei Städte, die sich den Titel Bleihauptstadt teilen: Hamburg und Berlin“, sagt Markus Loth von der Innung. Hier wie dort gebe es noch viele unsanierte Altbauten aus der Gründerzeit.
Wie an vielen Stellen hat Berlins Teilung auch ihre Spuren in den Trinkwasserleitungen hinterlassen. „Blei ist vor allem ein Thema in den Westbezirken bei Altbauten, die nach dem Krieg nicht generalsaniert wurden“, berichtet Wasserbetriebe-Sprecher Stephan Natz. Im Osten sei kaum noch Blei in den Rohren, weil das Schwermetall in der ressourcenknappen DDR als zu wertvoll galt, um es in den Leitungen zu belassen.
Über Jahre hätten die Wasserbetriebe Hausbesitzern hohe Zuschüsse geboten, um bleifreie Hausanschlüsse zu verlegen. „Heute noch Blei haben nur Hausbesitzer, denen es wirklich egal ist.“ Die Mieterinnen und Mieter gucken hier allerdings in die Wasserröhre.