Berliner Modell „Housing First“ vermeldet Erfolg

Der Senat will mit dem Vorhaben Obdachlosigkeit bekämpfen. Ein aktueller Bericht zeigt positive Ergebnisse. Nur einem Mieter wurde inzwischen wieder gekündigt. Von Julius Betschka

Berliner Modell „Housing First“ vermeldet Erfolg
Udo, ein Obdachloser, sitzt in Berlin an der Spree im Regierungsviertel und bittet um Unterstützung. Seinen Schlafplatz hat Udo in einem Zelt, auch an der Spree, rund 200 Meter vom Reichstag entfernt aufgestellt. (Archivbild) Foto: Kay Nietfeld/dpa

Housing First, das hat sich der Senat stolz auf die Fahnen geschrieben. Nicht weniger als die Obdachlosigkeit beenden, will man so. Jetzt ist ein wissenschaftlicher, geradezu euphorischer Abschlussbericht über die Pilotprojekte erschienen. „Die sehr erfolgreiche Modellphase von Housing First Berlin hat gezeigt, dass dieser Ansatz nicht nur funktioniert, sondern eine Lücke im bereits sehr differenzierten Angebot der Berliner Wohnungsnotfallhilfe schließt“, schreibt Professorin Susanne Gerull darin. Eine Ausweitung der niedrigschwelligen Unterbringung – ohnehin schon im Koalitionsvertrag festgeschrieben – sei anzustreben.

Seit Projektbeginn 2018 hatten sich 568 Menschen auf einen Platz in dem Projekt beworben, nur 40 konnten angenommen werden. Für sie wurden von Mitarbeitern Wohnungen gesucht, Mietverhältnisse angebahnt, die Betreuung übernommen. Dies sei „eine harte Arbeit, man muss viel Überzeugungsarbeit leisten, man muss Klinken putzen“, wie ein Mitarbeiter betont. Doch die Arbeit lohnte sich anscheinend: 97,3 Prozent der Teilnehmer wohnten auch zum Projektende noch eigenständig in ihrer Wohnung, nur einem wurde gekündigt. 85 Prozent der Teilnehmer waren sehr zufrieden, der Rest zufrieden. Berlins neue Integrationssenatorin Katja Kipping (Linke) kündigte im Tagesspiegel-Interview bereits an, als eine der ersten Amtshandlungen mehr Kooperationspartner suchen zu wollen: ohne Wohnungen kein Housing – auch das zeigt der Bericht.