Eilverfahren könnte Neubau verzögern: Demo in Berlin für geplanten Abriss des Jahn-Stadions

Der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark soll endlich erneuert werden. Ein Eilantrag droht, das zu verhindern. Berlins Sportler*innen demonstrieren für den geplanten Neubau des Areals. Von Robert Ide.

Eilverfahren könnte Neubau verzögern: Demo in Berlin für geplanten Abriss des Jahn-Stadions
Foto: imago images / Schöning

Eine bauliche und sportliche Ikone der DDR sollte auch der Friedrich-Ludwig-Jahn-Sportpark sein. Hier in Prenzlauer Berg, wo einst der von der Stasi protegierte Fußballklub BFC Dynamo die besten Spieler der DDR zugeschoben bekam, um Dauermeister zu werden, und wo die DDR-Nationalmannschaft gerne ihre Länderspiele austrug, um sie gegen den großen sozialistischen Bruder Sowjetunion zu verlieren, ertönte am Montag der erste Abpfiff für die inzwischen bröselige Fußballarena. Während Arbeiter die ersten Bauzäune um die Tribüne errichteten (zu sehen hier), stellten Umweltschützer und Kiezinitiativen noch schnell einen Eilantrag gegen den beschlossenen Abriss des Stadions, dem auch einige alte Bäume und damit Brutplätze für Tiere zum Opfer fallen werden. Das Verfahren könnte den Neubau nun verzögern.

Der Senat plant auf dem historischen Areal am Mauerpark die erste inklusive Arena der Stadt mit vielen Angeboten für den Behinderten- und Breitensport. Ebenso wie beim verfallenen Sport- und Erholungszentrum in Friedrichshain (Hintergründe hier) wird damit ein weiteres Stück DDR-Sport- und Architektur-Geschichte überbaut. Auch dies führt am Jahn-Sportpark zu Ärger, etwa bei der um die Ecke wohnenden, weltberühmten Schriftstellerin Jenny Erpenbeck (Interview hier).

Im Jahn-Sportpark allerdings hängen nicht alle so sehr an der Vergangenheit. Hier regt sich gegen den fast schon berlintypischen Protest nun ein neuer berlinuntypischer Protest. „Wir fordern die Umgestaltung des Jahn-Sportparks inklusive Stadionneubau jetzt!“, heißt es in einem gemeinsamen Aufruf des Berliner Fußball-Verbandes, des Behindertensportverbandes sowie hier ansässiger Vereine wie Alba, Empor Berlin, Rotation Prenzlauer Berg und Pfeffersport. Am Freitag ab 17 Uhr wollen die Sportlerinnen und Sportler auf dem historischen Gelände für ein neues Spiel-, Sport- und Erholungsareal demonstrieren. Wer hätte das gedacht: dass in Berlin einmal wieder Menschen für eine Veränderung auf die Straße gehen?