Teurer Besuch in der Parkraumbewirtschaftungszone: In Tempelhof-Schöneberg gibt es Gästevignette zum Parken nur in Ausnahmefällen
Während der großen Ferien stehen in Berlin Parkplätze wochenlang leer. Doch für Gäste von Anwohnern gibt es bei Bezahlparkplätzen trotzdem nur in wenigen Fällen Nachlass. Von Anke Myrrhe, Lotte Buschenhagen und Thomas Lippold.
Viel Freude haben auch Berliner Autofahrer in den Sommerferien – sofern sie sich nicht in die Blechlawinen Richtung Ostsee et al. quälen, sondern ausgiebig die Parkplatzvielfalt zu Hause genießen. Die war in diesem Jahr vielerorts noch viel größer als in den Vorjahren. Denn die – Achtung, Wortmonstrum – „Parkraumbewirtschaftung“ soll im Innenstadtbereich Schritt für Schritt ausgebaut werden. Allein in Tempelhof-Schöneberg sind in diesem Jahr bereits sechs neue Zonen hinzugekommen, zwei weitere folgen in Kürze. Hier wurden innerhalb eines Jahres (Juli 22 bis Juli 23) laut Bezirksamt bereits 24.224 Parkausweise ausgestellt.
In den Sommerferien führt das nun zu teils absurden Situationen: Der Besuch muss zwei Kilometer weit weg parken, während vor der Haustür alles frei ist. Alternativ könnten die Gäste natürlich auch drei Euro pro Stunde bezahlen und das bitte Montag bis Freitag, 9 bis 22 Uhr, sowie sonnabends, 9 bis 18 Uhr. Macht bei einer Woche mehr als 200 Euro.
Müsste es da nicht eine unkomplizierte Gästeregelung geben? Umgehende Antwort vom Bezirksamt: Leider nein. Es gibt zwar Regelungen für Gäste, allerdings nur in Einzelfällen und mit Begründung wie gesundheitliche Einschränkungen oder Angehörigenpflege. „Zu viele Ausnahmen würden die Steuerungswirkung der Parkraumbewirtschaftung verringern“, teilte ein Referent der verantwortlichen Stadträtin Saskia Ellenbeck (Grüne) mit. Nachfrage: Wie viele Gästevignetten hat der Bezirk denn in diesem Jahr schon ausgestellt? Antwort: Keine. Berlin, du kannst so gastfreundlich sein.