Wie viel Hitze verträgt Berlin? Architektin fordert Verzicht auf schwarze Gebäude
Berlins Hitzesommer belasten Mensch, Natur und Infrastruktur. Eine Landschaftsarchitektin fordert: mehr Grünflächen, weniger dunkle Gebäudefassaden und ein Umdenken in der Stadtplanung. Von Robert Ide.
Schon am nächsten Wochenende wird es wieder schwitzig in der Stadt. Angesichts des Hitzestresses der vergangenen Jahre, der Menschen und Bäumen der Stadt so zusetzt, dass letztere im Sturm am Montagabend reihenweise umkippten und die komplette S-Bahn lahmlegten, braucht Berlin dringend eine permanente Abkühlung. Dies können mehr neue Bäume und kleine Grünflächen sein, die wie berichtet der Entwurf für ein neues Baumgesetz verlangt. Es braucht aber auch ein generelles Umdenken in der gesamten Stadtpolitik, findet die bekannte Landschaftsarchitektin Gabriele G. Kiefer. „Überall müssen deutlich mehr Bäume gepflanzt werden und viele Tabus überwunden werden, wie etwa bei der großen Freifläche des Tempelhofer Feldes“, fordert die Planerin, die in Berlin mehrere Parks gestaltet hat, im Checkpoint-Gespräch.
Auch beim Bau von Häusern müsse der Hitzeschutz Vorrang bekommen, verlangt Kiefer: „Schwarze Gebäude und dunkle Glasscheiben, aber auch alle anderen dunklen Stadtoberflächen müssen vermieden oder sogar verboten werden, weil deren enorme Wärmeabstrahlungen das Leben in der Stadt unnötig belasten.“ Zudem müsse das Regenwasser flächendeckend versickern, anstatt in die Mischkanalisation zu fließen.
Welche Ideen haben Sie für eine hitzebeständige Stadt? Schreiben Sie uns Ihre Meinung gern an checkpoint@tagesspiegel.de. Oder diskutieren Sie mit uns am kommenden Montag bei der Tagesspiegel-Reihe „Stadt im Gespräch – Berlin im Wandel“ in der Urania. Ab 19.30 Uhr stellen dort Architektinnen wie Kiefer, Stadtentwickler der Architektenkammer sowie Klimaforscher Jürgen Kropp konkrete Rezepte vor, mit denen Berlin den Klimastress abbauen kann (Infos hier). Der Eintritt ist frei, das Nachdenken über eine kühlere Zukunft nicht umsonst.