Zeitzeugen erinnern an Volksaufstand vom 17. Juni

Wie das scheppert. Wie das bebt. Das Rasseln der Panzer auf Berlins engen Straßen, an deren Bürgersteigen noch Ruinen stehen und auf deren Pflaster ein neuer Kampf um die Freiheit tobt, schon wieder um Tod und Leben. Es sind die gleichen Panzer, die Deutschland und die Welt wenige Jahre zuvor vom Nationalsozialismus befreit haben. Panzer, die nun die kommunistische DDR retten sollen, die sich nur noch mit Gewalt an der Macht halten kann.

Lutz Rackow steht auf einem Haus in Berlin-Mitte und sieht unten einen Mann, der eine Aktentasche zusammengerollt unter den Arm geklemmt hat. Mit der freien Hand wirft er einen Stein gegen das verrammelte Verkehrsministerium, dann noch einen und noch einen. Bis die sowjetischen Panzer kommen. „Es war eine surreale Szene“, erinnert sich Rackow, damals Journalist und Augenzeuge, heute mit 90 Jahren rüstiger Rentner am Müggelsee. Ein wütender Mann gegen die verbarrikadierte Macht – ein Sinnbild für den 17. Juni 1953. „Am Ende konnte er nichts ausrichten.“

Der 17. Juni ist, gleich am Anfang der DDR, fast schon ihr Ende. Eine Million Menschen in 700 Orten Ostdeutschlands rufen nach Freiheit, mindestens 55 Menschen sterben. Einige werden standrechtlich erschossen, wie im Krieg. Das Bild von Ostdeutschland und den bleibenden Wunden der Teilung, das Bild von Russland und den wieder aufgerissenen Verwundungen der Vergangenheit – all dies gründet sich auch auf der Einordnung des Volksaufstandes vor 70 Jahren, der in Berlin fast vergessen scheint.

Die letzten Zeitzeugen gehen in ihre letzten Jahre. Für den Tagesspiegel habe ich drei von ihnen getroffen und erzähle anhand historischer Dokumente, wie der Aufstand Berlin erfasste und wie er Deutschland bis heute prägt – nachzulesen hier.