Seltsames Stühlerücken in der Senatskanzlei: Langjähriger Vertrauter Kai Wegners verlässt Posten nach nur wenigen Wochen

Thorben Gottschalk, Leiter des Leitungsstabs des Regierenden Bürgermeisters, Kai Wegner (CDU), verschwindet wortlos aus dem Organigramm. Die Gründe für seinen Weggang sind unklar. Von Lorenz Maroldt

Seltsames Stühlerücken in der Senatskanzlei: Langjähriger Vertrauter Kai Wegners verlässt Posten nach nur wenigen Wochen
Berliner Flagge auf dem Gebäude der Senatskanzlei in Berlin Foto: IMAGO/STPP

Leise, still und heimlich verließ im vergangenen Jahr ein langjähriger Vertrauter von Kai Wegner seinen hoch dotierten Job in der Senatskanzlei – und das unter seltsamen Umständen: Ohne ein Wort des Abschieds oder des Dankes verschwand Thorben Gottschalk, einer der beiden damaligen Leiter des gerade erst eingerichteten Leitungsstabs beim neuen Regierenden Bürgermeister, erst aus seinem Büro und dann auch aus dem Organigramm.

Seit mehr als zehn Jahren hatte Gottschalk für Wegner gearbeitet, zunächst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bundestag, dann dort als Büroleiter und später in gleicher Funktion im Abgeordnetenhaus. Im Mai 2023 wurde dann zum Leiter des Leitungsstabs in der Senatskanzlei mit Zuständigkeit wiederum für Wegners Büro ernannt („LLS RegB“), gemeinsam und stellentechnisch auf Augenhöhe mit Johannes Dickhut, zuständig für Strategie, Planung, Gremium und Grundsatz („LLS SPGG“).

Die Doppelleitung war neu, unter Franziska Giffey als Regierende reichte eine Stelle für die Spitzenposition „LLS“, besetzt mit Marc-Niklas Förster. Aber am 9. Mai 2023 beschloss der Senat, das zu ändern und eine zusätzliche Leitungsstelle einzurichten. Senatssprecherin Christine Richter begründet das so:

Die Ausstattung des Leitungsbereiches der Senatskanzlei weicht wegen der besonderen Aufgaben, wegen der Sonderfunktion der Geschäftsstelle des Senats (im Vergleich zu den Verbindungsstellen) und wegen der erforderlichen Ausstattung der Büros der in Artikel 56 Abs. 2 der Verfassung von Berlin vorgesehenen zwei Bürgermeister/innen als Vertretung des Regierenden Bürgermeisters von den übrigen Senatsverwaltungen ab.“

Gemeint sind Wirtschaftssenatorin Giffey und Finanzsenator Stefan Evers. Allerdings gab es vorher, als Giffey noch Senatschefin war, auch zwei Bürgermeister/innen als Vertretung: Bettina Jarasch und Klaus Lederer – und da reichte offenbar eine Stelle „Leitung des Leitungsstabs“.

Und es gibt weitere Seltsamkeiten in dieser Angelegenheit. Denn seit Gottschalk verschwunden ist, füllt Dickhut beide weiterhin ausgewiesenen Einzelstellen in Personalunion aus – und führt damit die Begründung für eine zusätzliche finanzierte Stelle ad absurdum. Denn da, wo vorher Gottschalks Name im Organigramm zu finden war, steht jetzt „Siehe LLS SPGG“ – also eigentlich „siehe Dickhut“.

Schillernd ist auch die Auskunft, die Senatskanzleichef Florian Graf dem Hauptausschuss in dieser Sache am 6. September 2023 gab: „Das Organigramm entspricht der aktuellen Organisationsstruktur nach der Senatsumbildung 2023.“ Tatsächlich wurde das Organigramm an der Stelle „LLS“ seit Anfang Mai dreimal verändert – zuletzt kurz vor Grafs schriftlicher Stellungnahme ans Abgeordnetenhaus (Drs. 19/0400). Angehängt ist das Organigramm von August 2023 – bereits ohne Gottschalk, der allerdings nach eigenen Angaben auf der Berufsplattform „LinkedIn“ bis September 2023 dort als Leiter des Leitungsstabs tätig war.

Warum der Wegner-Getreue Gottschalk die Senatskanzlei bereits wenige Wochen nach seinem Amtsantritt Hals über Kopf wieder verließ und nur eine Abwesenheitsnotiz in der Mailbox hinterließ, ist Gegenstand verschiedener Mutmaßungen – in der Senatskanzlei ebenso wie in der CDU. Die einen sagen, er habe wohl mehr Zeit für die Familie haben wollen. Andere sprechen von falschen Erwartungen, einem unnötig aufgeblasenen Führungsapparat sowie kuriosen und widersprüchlichen Auftritten der Doppelspitze. Gottschalk selbst, der seit November eine neue Anstellung bei der IHK als Bereichsleiter Wirtschaft und Politik gefunden hat, mag sich zu dem Vorgang nicht äußern.