Kurz vor dem Berliner Mauerfall getrennt: Krankenschwester sucht ihre alte Kita-Liebe
Einst waren sie verliebt in einer Kita in Hennigsdorf. Dann wurde einseitig kurz vor dem Mauerfall rübergemacht. Jetzt sucht Susi ihren Basti von damals. Von Robert Ide
Da wir gerade beim Finden unserer gegenwärtigen Vergangenheiten sind: Susann sucht Basti. Zusammen gingen beide in den Kindergarten Pünktchen in Hennigsdorf, zwischen 1986 und 1989 muss das gewesen sein. „Von uns gibt’s ein Foto, du verkleidet als Katze, ich verkleidet als Sterntaler“, schreibt die heute 38-Jährige in einem vielfach geteilten Twitter-Aufruf. Auch hinter Susanns Kitasuche steckt eine spannende Mauerfall-Geschichte, denn am 8. November 1989 packten ihre Eltern den Trabi voll, fuhren zu Verwandten ins Erzgebirge und flohen von dort über Tschechien in den Westen – einen Tag vor dem Mauerfall. Susanns Vater sollte in der DDR nur seinen Meisterbrief als Koch machen dürfen, wenn er in die Staatspartei SED eintritt; auch Susanns Mutter hatte genug. Die Familie fasste wie so viele Ostdeutsche einen Entschluss: Wir hauen hier ab. Viele dieser Menschen fehlen dem Osten bis heute.
„Ich kann mich noch erinnern, wie ich als Fünfjährige irgendwo in einem fremden Aufnahmelager aufgewacht bin“, erzählt Susann am Checkpoint-Telefon. Ihre erste Frage an die Eltern lautete: „Wann fahren wir wieder nach Hause zu Basti?“ Nun, 33 Jahre später, soll sich Bastian (wie er wohl wirklich heißt), bei Susi (wie sie damals genannt wurde) melden. Die Kita in Hennigsdorf gibt es noch, sie heißt jetzt Pünktchen und Anton. Ob die Erzieherin Frau Hase (oder Haase) noch lebt, weiß niemand. „Das Faschingsfoto von uns Kindern ist irgendwo auf dem Dachboden meiner Eltern“, erzählt Susann, die inzwischen in Augsburg wohnt und als Krankenschwester im Hospiz arbeitet. „Wenn sich Basti meldet, suche ich das Foto für ein Wiedersehen raus“, verspricht sie. Falls Sie, liebe Leserinnen und Leser, das auch sehen möchten, dann helfen Sie Susi und Basti durchs Verbreiten ihrer Suche beim Sich-finden – und senden uns bitte Hinweise an checkpoint@tagesspiegel.de. Denn in unserer Vergangenheit steckt immer ein besonderes Geheimnis: wir selbst.