Klassenfahrten, Baugenehmigungen und Radwege: Drei Berlin-Geschichten machen Hoffnung im Advent
Durch Eigeninitiative der Eltern durfte eine Klasse aus Weißensee doch noch auf Klassenfahrt. Außerdem gibt es frohe Kunde für Radfahrer sowie für Otter in Friedrichshain-Kreuzberg. Von Ann-Kathrin Hipp
Nächster Beschluss: Hoffnung! Weil der Advent bekanntlich die Zeit ist, in der die Rettung naht und weil die erste Kerze schon brennt, kommen hier drei Berlin-Geschichten, die gegen jeden Trend optimistisch stimmen…
Klassenfahrten sind in Berlin kaum mehr möglich? Iwo! „Respekt wer’s selber macht“ lautet das Motto einer bekannten Baumarktkette. Gleiches gilt für Berliner Eltern. Die haben in Eigeninitiative für Achtklässler der Theresienschule Weißensee eine Mini-Reise organisiert. Elternsprecher Johann Fröhlich, seines Zeichens Professor an der Hochschule Neubrandenburg, brachte die Kinder während der Semesterferien für ein Wochenende in genau diese. Los ging’s mit drei Eltern, Schlafsäcken, Isomatten und der Bahn. Kostenlos übernachtet wurde im Zeichensaal. Geboten wurden Filmabende mit Pizza, eine Uni-Führung mit exklusiver Vorlesung und eine Stadtführung mit Bummelzeit. Für die Schüler „ein Knüller“, für die Familien Kosten von „einem Appel und einem Ei“ (Dank an Henson Stehling fürs Berichten!) und für Johann Fröhlich „ganz einfach zu organisieren“. „Ich kann mir gut vorstellen, dass das auch anderswo klappt“, sagt er. Stellt sich jetzt natürlich die Frage: Wo als nächstes?
Nächste Baustelle: Genehmigungen! Wer überzeugt ist, dass die in Berlin immer eeeeeeewig dauern, muss nach Friedrichshain-Kreuzberg. Dort hat das Umwelt- und Naturschutzamt gerade in rekordverdächtigem Tempo, nur einen Werktag nach Besichtigung, die Einrichtung eines Otterbaus erlaubt. Schon in den kommenden Wochen soll das Objekt (initiiert von der Deutschen Umwelthilfe und der Stiftung Naturschutz Berlin) bezugsfertig sein und das „trotz luxuriöser Ausstattung mietfrei“. Es kommentiert die Roller fahrende Reporterlegende: „Sensationell!“
Grübelstoff: Ob Karla Kolumna wohl Gefallen an E-Scootern gefunden hätte?
Egal! Weiter geht’s: Gestern hatten wir hier geschrieben, dass Berlins Radwege-Bilanz kilometerweit vom selbst gesteckten Ziel des Regierenden entfernt ist. Jetzt gibt es zumindest noch eine kleine Verkehrswende zu vermelden: Im Jahresendspurt wollen einige Bezirke Radwege fertigstellen, die der landeseigenen Infravelo bis dato nicht gemeldet wurden. Allein in Charlottenburg-Wilmersdorf könnten so auf die „voraussichtlich rund 17 Kilometer“ knapp zwei obendrauf kommen. Wir halten also erstmal die Pedale still und warten auf’s Foto-Finish. Vorbei ist das Rennen ja bekanntlich erst im Ziel.