Nicht alles ist von der Kunstfreiheit gedeckt

Berlins Kultur kommt nicht zur Ruhe: Am Gorki gibt es Mobbing-Vorwürfe gegen die Intendantin. Nun kritisiert Grünen-Politiker Wesener das „System Stadttheater“. Von Julius Betschka

Nicht alles ist von der Kunstfreiheit gedeckt
Foto: Monika Skolimowska/dpa-Zentralbild/dpa

Berlins Kultur liegt brach und kommt doch nicht zur Ruhe: Am Maxim-Gorki-Theater werden Mobbing-Vorwürfe gegen Intendantin Shermin Langhoff erhoben. Eine Dramaturgin klagt gegen ihre Kündigung, die angeblich mit einem Brief von Mitarbeitern wegen Machtmissbrauchs von Langhoff in Zusammenhang stehen soll. In internen Mails sei von „einem Klima der Angst“ die Rede, schreib der „Spiegel“. Es ist bereits der fünfte Fall von möglichem diskriminierendem Verhalten im Bühnen- oder Orchesterbereich, wie die Kulturverwaltung auf eine Anfrage des parlamentarischen Geschäftsführers der Grünen, Daniel Wesener, erklärt: neben den Fällen am Theater an der Parkaue (2019), dem Staatsballett (2018), der Staatskapelle (2019) und jüngst der Volksbühne (2021).

Als Gründe für die Häufung gibt Kulturstaatssekretär Thorsten Wöhlert fehlende Anti-Diskriminierungskompetenz beim Führungspersonal, stark hierarchische Strukturen, fehlende Beschwerdestrukturen und die Rechtfertigung von Diskriminierung mit der Kunstfreiheit an. Daniel Wesener sagte dem Checkpoint: „Gemeinsam ist fast allen unterschiedlichen Fällen, die in den letzten Jahren in Berlin öffentlich geworden sind, das ‚System Stadttheater‘“. Das Problem sei eine Betriebsstruktur, in der große individuelle Machtfülle, persönliche Abhängigkeitsverhältnisse und ein extremer Leistungsdruck zusammenkämen. „Hier müssen wir ansetzen, wenn wir andere Verhältnisse hinter unseren Theaterbühnen schaffen wollen.“ Es ist heute eben nicht mehr alles von der Kunstfreiheit gedeckt.