Berliner Labels von der Rolle: Die Musik auf Kassette erlebt ein Comeback
Vor 60 Jahren wurde der erste Taperekorder präsentiert. Seitdem, so Ladenbesitzer und Produzent Cristian Iffland, sei „die Musikkassette nie tot“ gewesen. Nun erfährt sie eine Renaissance. Von Robert Ide
So, wir spulen mal kurz zurück. Auf der Funkausstellung in Berlin wurde vor 60 Jahren erstmals ein Kassettenrecorder präsentiert. Der Tagesspiegel bejubelte am 30. August 1963 „ein weitgehend automatisches Kleintonbandgerät, dessen neuartige Bandkassette den Wechsel des Tonbandes sehr erleichtert“. Bis zum Siegeszug der Musikkassette in den 80er-Jahren dauerte es noch etwas, doch bis heute ist die Musik vom Band in Berlin unkaputtbar. „Seit vielen Jahren erleben wir ein Comeback der Musikkassette“, erzählt Federica aus Neukölln am Checkpoint-Telefon.
Die Italienerin betreibt gemeinsam mit ihrem kanadischen Mann Andrew ein Musiklabel, das fast ausschließlich Musikkassetten produziert. „Kitchen Leg Records“ vertreibt vor allem die Musik junger Berliner Punkbands und gestaltet jedes Cover mit einer Collage. In der Produktion sind die Tapes günstiger und schneller herstellbar als die ebenfalls wieder gut aufgelegten Schallplatten, sagt Federica. „Und im Gegensatz zum Streaming verdienen Künstlerinnen und Künstler mit den Kassetten Geld.“
Erwerbbar sind Kassetten noch in vielen Berliner Plattenläden wie bei „Static Shock Musik“ in Neukölln. „Es ist wie bei der Schallplatte“, erzählt Musiker und Ladenbesitzer Cristian Iffland, „die Musikkassette war nie tot.“ Inzwischen gebe es wieder mehr Produktionen aus den USA und England, „richtig erklären kann ich mir das nicht“. Iffland, der mit seiner Postpunk-Band „Diät“ stets Musiktapes aufnahm, sammelt selbst Kassetten und stellt am liebsten Mixtapes zusammen. „Das eigene Überspielen macht den größten Spaß, es ist auch ein tolles Geschenk“, erzählt er. „Dafür hole ich mir alte TDK-Kassetten vom Flohmarkt.“
Musikproduzentin Federica läuft am liebsten mit Walkman durch Berlin. „Ich hab auch immer einen Bleistift dabei, falls es mal Bandsalat gibt.“ So dreht sich Berlin immer weiter – bis zur B-Seite.