Dilek Kalayci will in Pflegeheimen nun systematisch testen
Berlins Testkapazitäten werden nicht ausgereizt. Auch Symptom-Freie sollen nun Tests erhalten. Den Grünen kommt das zu spät. Hoffnung machen Charité-Ergebnisse. Von Anke Myrrhe
Häufig genannte Voraussetzung für weitere Öffnungen sind deutlich mehr Tests und die will Dilek Kalayci (SPD) nun ermöglichen. „Die Kapazitäten dafür sind da“, sagte die Senatorin gestern im Gesundheitsausschuss. Man will nun damit beginnen, auch Kontaktpersonen ohne Symptome zu testen, „das ist eine ganz neue Teststrategie“. Stichprobenartig sollen zunächst Bewohner und Pflegende in zwei Einrichtungen pro Bezirk getestet werden, um sich einen Überblick zu verschaffen, perspektivisch aber auch in Kitas und Schulen.
Hoffnung machen die Ergebnisse der Charité-Beschäftigten, die nun durchgetestet sind – dem Vernehmen nach mit erstaunlich niedrigen Infektionsquoten. Man hätte das höher eingeschätzt, heißt es klinikintern, schließlich begann die Berliner Infektionsgeschichte mit der Schließung einer Rettungsstelle und der Angst vor vielen unerkannten Infektionen. Detaillierte Ergebnisse soll es noch in dieser Woche geben.
Für die Bewohner einer Senioren-Wohnanlage in Fennpfuhl, die vorige Woche komplett geräumt wurde, kommt diese Nachricht allerdings zu spät – weshalb es aus Reihen der Grünen auch grummelt, Kalayci hätte mit dieser Strategie viel früher beginnen müssen. Nach der Maskerade der vergangenen Woche (garniert mit schlechten Umfrageergebnissen) ist mancher Grüner offenbar nachhaltig verstimmt. Ob die Koalitionspartner deswegen Müllers Prämie für Corona-Helden blockieren, die der Regierende heute gern beschließen würde, ist dem Vernehmen nach noch nicht entschieden. Auch die Linken stört es, dass die Prämie fast ausschließlich Landesbedienstete bekommen sollen.