Was Berlins Magnetfischer aus der Spree angeln

„Oft finden wir weggeworfenes Diebesgut“, berichtet Christian Kessels. Der Amateurfischer erzählt von seinem kuriosen Hobby – und was ihn antreibt. Von Robert Ide

Was Berlins Magnetfischer aus der Spree angeln
Foto: Robert Ide

Falls Sie jetzt eine erfrischende Beschäftigung an der frischen Luft suchen – mit Abstand und mit Abenteuern –, dann gehen Sie doch im Trüben fischen. So wie Christian Kessels, der in seiner Freizeit in die größer werdende Szene der Berliner Magnetfischer abtaucht. Gemeinsam mit einem Kumpel entert der 32-jährige Unternehmensberater aus Prenzlauer Berg Leihroller, Einkaufswagen, Fahrräder und Kettensägen aus Spree und Havel (Fotos hier).

Mit seinem Magneten mit 60 Kilo Zugkraft und einem Stahlseil geht er Berlins versunkenen Geheimnissen auf den Grund, wie er am Checkpoint-Telefon erzählt. „Im Landwehrkanal in Neukölln finde ich allerdings nur Kronkorken“ – hier scheint die Wegwerfkappe zum Wegbier zu gehören. In den auch nicht stillen Wassern in Mitte lagern dagegen vorrangig E-Roller und Leihfahrräder im kühlen Grunde – wohl auch, weil viele von ihnen vorher grundlos auf der Mitte der Bürgersteige rumstehen.

„Oft finden wir auch weggeworfenes Diebesgut wie alte Tresore – und im September haben wir an der Friedrichstraße in der Nähe des Grill Royal eine Pistole geangelt. Die haben wir gleich einem vorbeifahrenden Polizeiboot übergeben“, berichtet Kessels. Sonst meldet er die von den Stadtgewässern schmierigen Treibgut-Stapel der Stadtreinigung via App – „aber manchmal liegt alles ein paar Wochen später wieder im Fluss, dann hat es jemand vor der Abholung wieder reingeworfen“. Und wozu das Ganze? „Zeitvertreib, ein bisschen Umweltschutz, Ehrgeiz“, sagt Kessels, der vorsorglich versichert: „Ich habe auch normale Hobbys und spiele Schlagzeug.“ Bestimmt in einer Metall-Band.