Flüchtlinge in Berlin kommen kaum an Bargeld

Ukrainisches Geld lässt sich in Berlin nach wie vor kaum wechseln. Geflüchtete fahren deswegen bis nach Polen, um Zloty von dort hier eintauschen zu können. Von Robert Ide

Flüchtlinge in Berlin kommen kaum an Bargeld
Eine Wechseltube in der Nähe vom Bahnhof Zoo – ukrainische Hrywnja sind auch hier Mangelware. Foto: Mike Wolff/Tagesspiegel

Mit Gefühl zeigen viele Berlinerinnen und Berliner aktives Mitgefühl. Eine von ihnen ist Julia Endres. Die 34-Jährige hat seit 2015 in Flüchtlingsunterkünften gearbeitet und zuletzt für die Caritas ein Jugendzentrum in Lichtenberg geleitet. Nun hat sie über Nacht die Verantwortung für eine Notunterkunft für Ukrainerinnen und Ukrainer in Prenzlauer Berg übernommen. In einem ehemaligen Altenheim in der Pappelallee betreut sie nun bis zu 180 in Berlin Angekommene und versucht nebenbei, die Infrastruktur für ein eilig einzurichtendes Heim aufzubauen. „Für die Geflüchteten ist jetzt die Registrierung wichtig, so sind sie auch krankenversichert“, erzählt Endres am Checkpoint-Telefon. Im Kiez gebe es viel Unterstützung, etwa Kinderbetreuung zur Entlastung der Mütter oder Sachspenden. „Aber bei den Geflüchteten gibt es auch viel Selbständigkeit. Bis eine Reinigungsfirma gefunden war, haben sie das Haus geputzt und viele andere Aufgaben übernommen.“

Ein großes Problem für die Kriegsopfer sei weiterhin die Verfügbarkeit von Bargeld. Ukrainisches Geld ließe sich in Berlin nach wie vor kaum wechseln. „Manche Frauen sind zurück nach Polen gefahren, um Zloty zu tauschen, damit sie damit in Berlin an Euro kommen.“ Nun immerhin will die Sparkasse schnell Konten für Menschen aus der Ukraine in Berlin einrichten. Aber allein dieses Detail zeigt: Die Stadt braucht auf allen Ebenen noch viel Mitgefühl – und für die Hilfe einen langen Atem.