Kastrierte Klassiker: Warum Gymnasien Lessing & Co. in vereinfachter Sprache lesen

An Berliner Gymnasien werden literarische Klassiker zunehmend in gekürzten Fassungen und „leichter Sprache“ unterrichtet. Einige Kritiker sehen darin die Verstümmelung von Sprache. Von Lorenz Maroldt und Stefan Jacobs.

Kastrierte Klassiker: Warum Gymnasien Lessing & Co. in vereinfachter Sprache lesen
Credit: IMAGO / Shotshop

Weil inzwischen auch Berliner Gymnasiasten die literarischen Klassiker nicht mehr zuzumuten sind, bekommen sie an immer mehr Schulen eine gekürzte Fassung in „leichter Sprache“ serviert.

Ein Beispiel aus „Nathan der Weise“:

Original (von Lessing): „Er ließ den Ring von seinen Söhnen dem geliebtesten; und setzte fest, daß dieser wiederum den Ring von seinen Söhnen dem vermache, der ihm der liebste sei; und stets der liebste, ohn’ Ansehn der Geburt, in Kraft allein des Rings, das Haupt, der Fürst des Hauses werde.“

Fälschung (von Cornelsen): „Er gab den Ring seinem liebsten Sohn und legte in seinem Testament fest, dass dieser ebenso den Ring seinem liebsten Sohn vererben sollte, und immer weiter so, ob Erstgeborener oder nicht.