Wiederaufbau der Garnisonkirche in der Kritik

Die Disneylandisierung Potsdams schreitet unaufhaltsam voran. Gestern ist mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel der offizielle Baustart für den neuen Turm der Garnisonkirche gefeiert worden (von den Nazis zur Inszenierung der Reichstagseröffnung 1933 missbraucht, von der SED gesprengt). Zuvor hatte Ex-Regierungschef Manfred Stolpe im Tagesspiegel-Gastbeitrag gefordert: „Der notwendige Bruch mit der belasteten Geschichte und Tradition der Garnisonkirche muss sichtbar und greifbar werden. In Kritikern sehe ich keine Feinde.“ Die Kritiker sehen das offenbar anders: Rund 50 Gegendemonstranten störten den Festakt mit Buh-Rufen und Trillerpfeifen, es gab einen Stinkbomben-Anschlag auf die Kapelle. In einem offenen Brief an den Bundespräsidenten hatten Kritiker (u.a. Klaus Staeck und Uwe-Karsten Heye) geschrieben: „In einer Zeit, in der rechtsextreme, nationalistische und geschichtsrevisionistische Kräfte nach vorn drängen, befürchten wir, dass sie den Wiederaufbau der Garnisonkirche als Bestätigung ihrer politischen Ansichten in Anspruch nehmen und propagieren.“ Wolfgang Huber (Altbischof und Kuratoriumsvorsitzender der Baustiftung) beim Festakt: „Und er soll werden, was er noch nie war, ein Zentrum für Frieden und Versöhnung.“ Bisher sieht es eher nicht danach aus.

Übrigens wird natürlich erstmal nur die Rohversion gebaut, Spenden kommen schon, wenn es losgeht, heißt es (wie so oft). Die Plattform - die auch Stolpe bei seinem ersten Besuch in Potsdam schon beeindruckt hatte („Das war eine großartige Übersicht über das Zentrum, und ein Ausblick bis Werder und Wannsee sowie nach Sanssouci und Griebnitzsee“) - ist allerdings schon finanziert. Quiz: Wer war’s? a) Mathias Döpfner b) Hasso Plattner c) Jörg Zumbaum d) Günther Jauch. (Kleiner Hinweis: Der Telefonjoker ist um diese Zeit noch nicht erreichbar).