Ansturm auf Sozialstationen aus Angst vor Armut

In Berlins Beratungsstellen kommen immer mehr Menschen mit Existenzsorgen. Viele hätten „panische Ängste vor der nächsten Rechnung“, so eine Caritas-Mitarbeiterin. Von Robert Ide

Ansturm auf Sozialstationen aus Angst vor Armut
Auch in Berlin-Lichtenberg unterstützen Stellen für Lebensmittelausgabe Bedürftige. Foto: Imago/Lars Reimann

Wie geht es den Menschen, die sich um ihre Existenz sorgen? Das erfahren gerade Berlins Sozialstationen. In die Beratungsstellen kommen vermehrt Menschen, die ihren Notgroschen nicht mehr umdrehen können, weil er ausgegeben ist. „Die Menschen haben panische Ängste vor der nächsten Rechnung“, erzählt Renate Stark, Leiterin der Caritas in Prenzlauer Berg, am Checkpoint-Telefon. „Die Sorge vor Armut geht durch alle Schichten.“ Viele Menschen würden bereits an Obst und Gemüse sparen und damit an ihrer gesunden Ernährung.

Renate Stark, jahrzehntelang als Sozialarbeiterin im Kiez engagiert, ist von den Ängsten selbst nicht ausgenommen. „Meine Gasrechnung pro Monat hat sich verdoppelt“, erzählt die 64-Jährige. „Ich frag mich auch, ob ich bald als Rentnerin in der Kälte hocken muss.“ Viele Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter würden nicht viel verdienen, obwohl sie den Ärmsten helfen. „Ich kenne einen, der hat gerade auf U-Bahn-Fahrer umgeschult“, berichtet Stark. Sie selbst geht in ihren Beratungsgesprächen gegen die Angst der Menschen an. Ihr wichtigster Satz lautet: „Wir kriegen das hin.“ Im Zweifel greift sie zum Telefon und bittet Menschen, die sie kennt, um schnelle Hilfe für eine bedürftige Person. Damit wenigstens eine Armut gelindert wird. Und die Angst nicht obsiegt.