Berlins gefährliche Bodenschätze

Berlin ist (noch) nicht Baden-Württemberg. Deshalb kann man nicht davon ausgehen, dass sich eine vermutete Weltkriegsbombe in einem Kleingarten als überdimensionale, 40 Zentimeter lange und fünf Kilo schwere Zucchini entpuppt, wie gerade in Bretten bei Karlsruhe geschehen (Foto hier). In Berlin lagern jedenfalls nicht nur Vitaminbomben, sondern noch geschätzt 3000 Weltkriegsgranaten unter dem Asphalt der einstigen Trümmerhauptstadt. „Die Gefahr, die von ruhenden Bomben ausgeht, steigert sich fortlaufend“, warnt Wolfgang Spyra, Kampfmittelexperte der Universität Cottbus. Denn Selbstdetonationen von Sprengsätzen mit chemischen Langzeitzündern könnten nicht ausgeschlossen werden. Mehr als 100 solcher Bomben sind bisher gefunden worden - alle zündfähig. Der Senat gibt an, „dass das gesamte Stadtgebiet mit Kampfmitteln belastet ist“, will aber nicht intensiv nach ihnen suchen lassen. Es könnte also noch einmal 72 Jahre dauern, bis sich der Pulverdampf des Zweiten Weltkriegs endgültig aus Berlin verzogen hat.