Von Waschlappen und Duschköpfen: Der fragliche Erkenntnisgewinn der Berliner Debatte um Katzenwäsche & Co.
Alle duschen jetzt angeblich kürzer, wenn überhaupt. Natürlich auch Politiker. Bliebe die journalistische Frage: Wo ist jetzt noch gleich die Erkenntnis? Von Daniel Böldt
Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt tut es. Berlins Wirtschaftssenator Stephan Schwarz auch. Umweltsenatorin Bettina Jarasch sowieso – wie wir kürzlich erfahren mussten. Sie alle duschen kürzer. Warum wir von dieser eigentlich recht privaten Morgenroutine wissen? Weil Journalist:innen danach gefragt oder es zumindest aufgeschrieben haben. Nun könnte man meinen, ungewöhnliche Zeiten erfordern ungewöhnliche Fragen. Immerhin ist Energiekrise, alle sollen sparen. Und schließlich sind es die Politiker:innen selbst, die appellieren, nicht mehr so lange unter dem Duschkopf zu stehen. Nahliegend also sie selbst danach zu fragen. Oder?
Nun ja. Das Problem bei der Frage ist nicht, dass sie allzu aufdringlich in die Privatsphäre schielt. Duschen ist in Zeiten der Energiekrise politisch. Einverstanden. Das Problem ist der Erkenntnisgewinn. Denn der ist gleich null. Kein Politiker bei Trost würde derzeit auf die Frage nach seinem Duschverhalten antworten, dass er gerne ausgiebig und im Winter am liebsten schön heiß duscht. Genauso gut könnte man Politiker:innen fragen, ob sie zuhause den Müll trennen oder ein Katzenbaby vor dem Ertrinken retten würden. Ja, natürlich würden sie das. Und wenn nicht, behaupten sie es.
Im besten Fall ist die Frage (und die Antwort) also einfach nur albern, wie im Fall von Bettina Jarasch, die zu allem Überfluss auch noch eine Kurz-Dusche mit einer Katzenwäsche verwechselte. Im schlechtesten Fall lenkt die Frage vom politischen Kern ab: Wie schaffen wir es, strukturell Energie zu sparen?