Doku über versuchte Massenpetitionsshow im Olympistadion
Eine Arena voller Diskussionen, Petitionen und Vernetzung, so der Plan. Eine Reportage erzählt nun vom Demokratie-Happening, das nie stattfand. Von Lorenz Maroldt.
Ein herrlicher Spaß ist die „Joyn“-Doku „Unfck the World“ (ganz cool ohne „u“) über den (nicht nur an Corona gescheiterten) Versuch, am 12. Juni 2020 die Welt durch eine Petitionsveranstaltung im Olympiastadion zu retten – allein schon der Start-up-Sprech der dengelnden Aktivsten ist allerfeinste Unterhaltung („Also das is‘n huge success“).
Teil 1 läuft unter dem Titel „Aufstand der Wissenschaftler“, und in einer Schlüsselszene sollen die „Scientists for Future“ im leeren Stadion für ein PR-Video den ausgewählten Slogan rhythmisch skandieren („Unfuck the World. Es eignet sich super als Festival-Titel, Unfuck the world. Es ist so… so call to action-mäßig“). Philip Siefer, einer der beiden Organisatoren, singt vor: „Aaanfuck, Anfuck the World, Aaanfuck the World“ (Klatschklatsch). Die Gruppe stimmt nur zögernd ein, einer fragt: „Was ist, wenn wir nicht ‚fuck‘ sagen wollen?“
Tja, Problem. Was jetzt? „Wir piepsen das aus“, schlägt Siefer vor. Die Wissenschaftler ziehen sich zur Beratung zurück. „Einige stören sich jetzt hier an der Nicht-Jugendfreiheit.“ „Das heißt halt so.“ „Das wollen wir gar nicht erst aufmachen, das Fass.“ Waldemar Zeiler, der andere Organisator, versucht, einen Zweifler zu überzeugen. „Das ist natürlich provokativ, aber die Presse wird extrem darüber berichten.“ Eine Frau löst sich aus der Gruppe und geht auf Siefer zu: „Also ich glaube, es gibt noch keinen Konsens darüber, dass wir ‚Unfuck the World‘ rufen.“ „Ok, wer nicht will, braucht nicht.“ „Aber wir stehen ja trotzdem hier zusammen.“ „Ok, hat jemand eine Idee für einen neuen Slogan?“ Hm, wie wär’s vielleicht mit „Vornehm geht die Welt zugrunde“?