Festivalgelände im Visier? Fusion-Festival droht der Bundeswehr

Das Kollektiv warnt vor einer „Militarisierung“ ihres Geländes. Die Bundeswehr bestätigt die Prüfung von Liegenschaften, zu denen der Flugplatz in Lärz aktuell jedoch „noch nicht gehört“. Von Robert Ide und Christoph Papenhausen.

Festivalgelände im Visier? Fusion-Festival droht der Bundeswehr
Credit: IMAGO / BildFunkMV

Flüchten wir schon mal vor in den nächsten Sommer, in dem wieder ausgelassen getanzt und kreativ gefeiert wird. Anziehungspunkt für viele gestresste Metropolen-Mitmenschen ist dann das ehemalige russische Militärgelände im mecklenburgischen Lärz, auf dem im kommenden Jahr wieder das mitreißende Fusion-Festival und das bunte Theaterfestival at.tension stattfinden werden, bevor beide 2027 in eine kreative Pause gehen. Doch die in Berlin ansässigen Macherinnen und Macher treibt neben dem alljährlich diskutierten Partytalk (offener Drogenkonsum und „nippelfreies Festival“) noch ein gewichtiges politisches Thema um, wie sie in ihrem aktuellen Newsletter schreiben.

Unter der Überschrift „Die Russen kommen“ warnt das linke Kulturkosmos-Kollektiv davor, dass „die irrsinnige Militarisierung“ angeblich „unsere Gesellschaft auf einen Krieg mit Russland einschwören will“ – und lässt dabei unerwähnt, dass Russland den Krieg längst zurück nach Europa gebracht hat. Es sei absehbar, heißt es im raunenden Ton der Festivalleitung weiter, dass „die Kriegsstrategen im Bendlerblock“ auf ehemals militärische Liegenschaften zurückgreifen würden und „die Bundeswehr sich zurückholen wird, was sie kriegen kann“. So könne niemand garantieren, dass auf dem Flugplatz in Lärz „in Zukunft nicht Drohnen oder anderes Kriegsgerät getestet oder stationiert werden“ solle. Erste Scouts der Bundeswehr seien demnach schon gesichtet worden.

Das Verteidigungsministerium bestätigt, dass die Umwandlung einst militärisch genutzter Flächen in eine zivile Nachnutzung derzeit ausgesetzt sei. Ein Sprecher der Bundeswehr lässt auf Checkpoint-Anfrage wissen, dass vorerst 200 Liegenschaften für eine „strategische Liegenschaftsreserve“ identifiziert worden seien, darunter 187 früher und 13 aktuell vom Militär genutzte Orte. „Diese 200 Liegenschaften, zu denen der Standort Lärz zurzeit aktuell noch nicht gehört, werden nun detailliert geprüft.“ Dabei würden Länder und Kommunen eng eingebunden. „Unser Gelände bekommt ihr nicht!“, droht das Festival-Kollektiv und verkündet im Kasernenton: „Wir werden ,bis zur letzten Patrone‘ für die Kunst, die Kultur, die Freiheit und gegen Krieg und Faschismus kämpfen.“ Ohne Gewehr? Offenbar ohne Gewähr.