Angela Merkel spricht erstmals öffentlich nach ihrer Kanzlerschaft
Ein halbes Jahr hatte sich Angela Merkel aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Am Dienstagabend meldete sie sich in einem Fernsehinterview mit Spiegel-Journalist Alexander Osang erstmals seit ihrer Kanzlerschaft in aller Öffentlichkeit zu Wort. Merkel sprach ungewohnt offen über ihre Auszeit nach der Politik an der Ostsee („Ich habe jeden Tag einfach richtig gut rumbekommen“). Vor allem aber ging es um Russland und den Angriff auf die Ukraine. Dieser sei ein „brutaler, völkermissachtender Überfall“.
Merkels Kanzlerschaft hat auch unter dem Eindruck des russischen Angriffskriegs zuletzt einige Schatten bekommen. Doch Kritik wehrte sie ab: „Ich muss mir nicht vorwerfen, ich habe zu wenig versucht.“ Für ihre Russland-Diplomatie während ihrer Amtszeit werde sie sich „nicht entschuldigen“. Dass Deutschland auch wegen ihr heute mit seiner Abhängigkeit von russischem Gas kämpft, obwohl sie offenbar früh wusste, wohin sich Putin entwickelte, bleibt als Makel.