Pannen und Peinlichkeiten: Weitere Fälle
Und damit wären wir in Reinickendorf, wo es ein Briefwahlbezirk auf die sensationelle Beteiligung von 150 Prozent schaffte (CP von gestern) – selbst die Kandidaten der Nationalen Front kamen nie über 99 Prozent.
Berlinrekord ist das aber nicht – den hält Tempelhof-Schöneberg: Hier wurde mit 159 Prozent die höchste Wahlbeteiligung gemeldet. Der Checkpoint gratuliert herzlich. 16 weitere Wahlbezirke lagen ebenfalls weit über 100 Prozent.
Und weiter geht’s: In Neukölln konnten Minderjährige die Stimmzettel für Bundestag und Abgeordnetenhaus ankreuzen – stundenlang wurden hier zu viele Wahlzettel ausgegeben.
Ebenfalls in Neukölln passte die Zahl der tatsächlichen Wähler nicht zur Zahl der ausgezählten Stimmen – es waren zu wenig, hunderte werden noch vermisst. In anderen Bezirken war es genau umgekehrt – hier hatten offenbar Tarnkappenbürgern gewählt.
Viele EU-Bürger, die nur an den BVV-Wahlen teilnehmen dürfen, hatten in ihren Briefwahlunterlagen ebenfalls Stimmzettel für den Bundestag und das Abgeordnetenhaus – u.a. eine dänische Checkpoint-Leserin in Charlottenburg-Wilmersdorf.
99 Wahllokalen meldeten auffällig viele Stimmen als ungültig – in einem Kreuzberger waren es 40 Prozent, in einem Neuköllner sogar 70 – vermutlich waren auch hier nicht die richtigen Wahlscheine angekommen.
Überall in der Stadt stellten die Wahlvorstände fest, dass Stimmzettelkartons falsch beschriftet waren. Die Landeswahlleitung wusste das übrigens seit Anfang August – angeliefert wurden die Kartons aber erst am Wahltag.
Auch in Steglitz-Zehlendorf verteilten Wahlhelfer die falschen Wahlscheine – und in Marzahn-Hellersdorf vergaßen sie, den Wählerinnen und Wählern die Erststimmenzettel fürs Abgeordnetenhaus mitzugeben.
In Pankow werden acht Stimmbezirke neu ausgezählt – auch hier landeten falsche Wahlscheine, diesmal betraf es die Erststimmen zum Bundestag: Sie wurden als ungültig gezählt.
Zwei Wahlhelfer aus Tempelhof-Schöneberg teilten uns unabhängig voneinander mit, dass sie in den Briefwahlumschlägen kopierte Wahlscheine gefunden haben – wie viele davon unentdeckt mitgezählt wurden, lässt sich nicht mal schätzen. Und mehrere Checkpoint-Leser berichteten, dass sie ihre Briefwahlunterlagen doppelt bekommen haben.
Am 14. Oktober wird das endgültige Ergebnis erwartet, aber nur das der Wahlen. Wer verantwortlich ist für das Chaos, bleibt offen: Die Senatskanzlei erklärt, sie sie in der Sache „eher Zuschauer“. Die Innenverwaltung bekennt sich zu Rechtsaufsicht, aber in Bezug auf die Pannen für unzuständig. Die Landeswahlleiterin schob vor ihrem Rücktritt den Bezirkswahlämtern die Schuld zu. Die Bezirke wiederum beklagen sich über eine schlechte personelle Ausstattung durch den Senat. Aber der, siehe oben, schaut ja nur zu. „Das Irgendwie muss endlich ein Ende haben“, schreibt Checkpointer Robert Ide heute in seinem Leitartikel (Abo) – aber wer macht dabei den Anfang?