Wie radikal ist die Berliner AfD? Landesverband pflegt „normales“ Verhältnis zu Rechtsextremisten
In Zeiten von hohen Umfragewerten rücken auch Berliner Parteiführer immer mehr ins Rampenlicht. So scheint AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker rechtsextreme Kontakte nicht ungewöhnlich zu finden. Von Lorenz Maroldt
Wie offen die Berliner AfD für extremistische Positionen ist, haben wir in den vergangenen Wochen intensiv recherchiert – das Ergebnis können Sie von heute Nachmittag an ausführlich in unserem Checkpoint-Podcast hören. Bezeichnend sind die Aussage der Partei- und Fraktionsvorsitzenden Kristin Brinker zum Thüringer Landesverband, der vom Verfassungsschutz als „gesichert rechtsextrem“ eingestuft wird. Wir haben Brinker, die nach außen betont gemäßigt und bürgerlich auftritt, danach gefragt, wie sie das Verhältnis der Berliner AfD zu den Parteikollegen aus Thüringen beschreiben würde. Ihre Antwort:
„Normal.“
Aha. Und wie drückt sich das aus, so ein „normales Verhältnis“ zu Leuten, die faschistisches Gedankengut äußern und Passagen aus Hitler-Reden sowie SA-Parolen für ihre Propaganda verwenden? Für Brinkers Stellvertreter Thorsten Weiß, mit dem die Vorsitzende gerne posiert und der ihr im Gegenzug „hervorragende Arbeit“ attestiert, offenbar in unterwürfigem Führerkult: „Du bist unser Anführer, dem wir gerne bereit sind zu folgen“, versicherte Weiß einst Höcke im Stil der Hitlerjugend.
Brinker, die vom Extremisten-Flügel der Partei abhängig ist, distanziert sich weder von Weiß noch von Höcke – im Gegenteil. Auf unsere Frage, wie sie den Berliner Landesverband im Vergleich zum Thüringer Landesverband einordnet, antwortet sie spöttisch: „Wir haben in etwa gleich viele Mitglieder.“ Das allerdings stimmt, wie so vieles bei der Rechtsaußenpartei, weder relativ noch absolut: In Thüringen (2,1 Mio. Einwohner) gibt es 1451 AfD-Mitglieder, in Berlin (3,9 Mio. Einwohner) dagegen nur 1132.