Reaktionen auf die Wahl aus Berlin
Sehr wahrscheinlich wird dort auch der ein oder andere Spitzenkandidat mal vorbeischauen, denn in gut sechs Monaten wird bekanntlich auch in Berlin schon wieder gewählt. Mit der Bewertung der Ergebnisse aus Baden-Württemberg allerdings hielten sich fast alle gestern Abend zurück.
Berlins Sozialsenatorin Cansel Kiziltepe (SPD) freute sich trotz des miserablen Ergebnisses ihrer eigenen Partei (5,5 Prozent): „Der Wahlsieg von Cem Özdemir als erster Ministerpräsident mit Migrationsgeschichte und als Sohn einer Gastarbeiterfamilie ist ein starkes Zeichen für unser Land“, sagte Kiziltepe, deren Eltern wie die von Özdemir in den 1960er Jahren aus der Türkei eingewandert sind. „Für viele Menschen mit Einwanderungsgeschichte ist das ein Moment des Stolzes und der Ermutigung – für unsere Demokratie ist es ein Gewinn.“
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) wollte sich am Abend nicht äußern, seine Generalsekretärin Ottilie Klein teilte via X mit: „Manuel Hagel und der gesamten CDU Baden-Württemberg gilt große Anerkennung für eine äußerst engagierte Wahlkampagne. Die CDU hat diesen Wahlkampf mit Anstand geführt, deutlich zulegen können und ist nur knapp nicht stärkste Kraft geworden, wenn sich das Ergebnis bestätigt. Herzlichen Glückwunsch an Cem Özdemir zum Wahlsieg.“
In einer ähnlichen Situation wie Özdemir ist Steffen Krach in Berlin – auch er kann trotz Regierungsbeteiligung seiner Partei wie ein Kandidat der Opposition auftreten, weil er bis vor kurzem noch als Präsident der Region Hannover gearbeitet hat.
Im Gespräch mit dem Checkpoint ging er zunächst auf das starke Ergebnis der AfD ein (18,7 Prozent), das schmerze besonders am Internationalen Frauentag. „Diese Partei will alles zurückdrehen, wofür Frauen seit Jahrzehnten gekämpft haben“, sagte Krach.
Dass seine eigene Partei es gerade noch auf 5,5 Prozent geschafft hat in Baden-Württemberg, bezeichnet Krach als „Mist, aber für mich noch mehr Ansporn, es in Berlin besser zu machen“. Stuttgart „und bald auch Mainz“ (Wahl in Rheinland-Pfalz in zwei Wochen) zeige, „wie schnell ein Vorsprung der CDU eingeholt werden kann und das werden wir auch in Berlin schaffen“, sagte Krach. „Ich will Kai Wegner ablösen, weil die Stadt wieder einen Regierenden Bürgermeister braucht, der liefert und auf den sich die Leute verlassen können.“
Noch 195 Tage bis zur Wahl.