„Schulen sind keine Sportvereine“: Dürfen Eliteschulen des Sports Unterschriften für die Olympiabewerbung sammeln?
Am Schul- und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB) wurde ein Schreiben an die Klassenleitungen zur Unterstützung einer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele verschickt. Von Anke Myrrhe und Margarethe Gallersdörfer.
Dürfen die Eliteschulen des Sports auf Elternabenden Unterschriften für Berlins Olympia-Bewerbung sammeln? Am Schul- und Leistungssportzentrum Berlin (SLZB) wurde „im Auftrag des Landessportbunds“ ein sanft nötigendes Schreiben an die Klassenleitungen verschickt. Das ist bei der Initiative NOlympia (und beim Checkpoint) gelandet und hat erstere ziemlich erbost. „Der Landessportbund Berlin hat mit der Volksinitiative ,Die Spiele für Berlin‘ eine Kampagne zur Unterstützung einer Bewerbung um Olympische und Paralympische Spiele gestartet“, heißt es darin unter dem offiziellen Briefkopf der Schule.
Klar sei, „dass im Rahmen eines solchen Verfahrens die Sanierung und der Neubau von Sportstätten und Schwimmbädern in Berlin hohe Priorität haben werden“. Davon würden auch die SLZB-Schüler profitieren. Also: „Bitte sprechen Sie dieses Thema in der nächsten Elternversammlung Ihrer Klasse an, geben Sie in dieser Veranstaltung die beigefügten Unterschriftenlisten aus, sammeln Sie diese wieder ein und geben Sie die ausgefüllten Listen bitte wieder im Büro der Sportkoordination ab.“
Mit der Schulaufsicht war das vorher offenbar nicht besprochen. Nach der Checkpoint-Anfrage sei sie mit dem Landessportbund „im Austausch“ gewesen und habe „alle relevanten Punkte besprochen und geklärt“, teilte ein Sprecher mit (was auch immer das heißt). Ein Sprecher des Landessportbundes erklärte die Aktion auf Anfrage so: „Weil Schüler/innen, Lehrkräfte und Eltern einer Eliteschule des Sports eine natürliche Nähe zum Sport, gerade auch zum olympischen und paralympischen Leistungssport haben, erscheint es uns nahe liegend, sie über die Volksinitiative des LSB und deren Inhalte zu informieren.“ Dazu habe man sich mit den Schulleitungen ausgetauscht.
NOlympia will das nicht gelten lassen und argumentiert mit dem Neutralitätsgebot: „Die Olympia-Bewerbung ist eben kein rein sportliches Anliegen, sondern auch ein politisches“, sagte Sprecher Johannes Verch, selbst Sportwissenschaftler, dem Checkpoint. „Schulen sind keine Sportvereine. Hier wird versucht, bei Personen, die in diesem System stark involviert sind und zu ihm gewissermaßen auch Ja sagen müssen, Unterschriften abzugreifen, die für einen politischen Willen fehlen.“ Wer macht Schiri?