Griessmühle bald im Keller des Roten Rathauses?
Berlins Clubsterben geht weiter. Die Neuköllner „Griessmühle“ aber soll gerettet werden – im Notfall durch einen Umzug ins Untergeschoss des Regierungssitzes. Von Julius Betschka
Keinen Grund zum Feiern hat auch Berlins Clubszene. Mieterhöhungen, Spekulanten und genervte Nachbarn machen es der Partyszene schwer. Eine Lösung hat momentan niemand so recht. Jüngstes Opfer: die Neuköllner Griessmühle. Das Gelände neben dem Hotel Estrel wird von den österreichischen Eigentümern verkauft, der Club soll weichen.
Die Club-Betreiber reagieren und machen, was sie am besten können: Sie drehen die Boxen auf sehr laut. Eine Unterschriftenkampagne, Berichte in österreichischen Medien und eine Sympathiewelle, die sich getanzt hat, dröhnen der Berliner Landespolitik in den Ohren.
Neuköllns Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD), Kultursenator Klaus Lederer (Linke), Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) – sie alle appellieren nun wortreich an die Eigentümer, eine Aktiengesellschaft der österreichischen Sparkasse, den Standort zu retten. Die Aussichten gelten als schlecht.
Warme Worte? Pah!, denkt sich die Opposition. CDU-Clubexperte Christian Goiny schrieb kurzerhand einen Antrag zur Rettung des Clubs, der gestern Abend im Parlament abgestimmt werden sollte. Darin heißt’s: „Der Senat wird beauftragt, kurzfristig eine geeignete landeseigene Fläche als neuen Standort für den Club Grießmühle zu finden.“ Was der CDU leider entfallen war: Solche Vermögengeschäfte müssten durch den Haushaltsausschuss. Der Antrag wurde nicht abgestimmt.
Die FDP geht noch einen Tanzschritt weiter und bläst gleich zum Angriff: Florian Kluckert, kulturpolitischer Sprecher seiner Fraktion, bezeichnete den grünen Neuköllner Stadtrat Jochen Biedermann am Abend als „Sargnagel“ der Griessmühle. Was Unsinn ist – Biedermann setzt sich seit Wochen für deren Erhalt ein. Im politischen Engtanz langt aber wohl jeder mal daneben.
Pragmatisch versuchte es der Neuköllner Grüne Georg Kössler. Er schlug am Donnerstag im Plenum den Keller des Roten Rathauses als Ersatzbassraum vor. Zwei, drei nette Partytitel hätte ich da gleich parat: „MiMü‘s-Musikclub“ zum Beispiel (nur echt mit Apostroph!), „Rat-House“ oder ganz klassisch „Regiermeister Rave“.
Christian Gaebler, Chef der Senatskanzlei, soll nach dem Plenum ganz begeistert gewesen sein. Nur einen Einwand habe er gehabt: „Der Brandschutz!“ Es gäbe leider, leider zu wenige Türen. Die Wände müssen woanders wackeln. Schade.