Blamiert von der eigenen Partei
Chaos bei der CDU Charlottenburg-Wilmersdorf: Klaus-Dieter Gröhler schafft es erst im zweiten Wahlgang zur Bundestagskandidatur. Von Lorenz Maroldt
Eine große Show mit Überraschungsgast bot am Sonntagabend die CDU in Charlottenburg-Wilmersdorf – leider ohne Publikum. Michael Müller und Sawsan Chebli, die beide hier für die SPD direkt in den Bundestag wollen (die Entscheidung der Mitglieder wird diese Woche bekannt gegeben), hätten jedenfalls ihren Spaß gehabt. Denn bisher galt der CDU-Abgeordnete Klaus-Dieter Gröhler als Favorit, zweimal konnte er den Wahlkreis bereits gewinnen. Und im vergangenen Jahr verdrängte er Generalsekretär Stevan Evers vom CDU-Kreisvorsitz, seine Nominierung als Direktkandidat galt damit als sicher. Doch gestern blamierte ihn seine eigene Partei – und versaute Gröhler so den Wahlkampf, noch bevor er überhaupt begonnen hat. Auf den Plakaten wird kein starker Kandidat zu sehen sein, sondern ein politisch Versehrter – und das kam so:
Im ersten Wahlgang versagten die Delegierten Gröhler mit 31 zu 36 Stimmen die erforderliche Mehrheit – ohne Gegenkandidaten. Ein Misstrauensvotum, ein Makel, ein Affront. Und plötzlich zog die Vize-Kreisvorsitzende Stefanie Bung einen schrillen Joker: Sie präsentierte den früheren FDP-Landesvorsitzenden und Ex-MdB Martin Lindner als Gegenkandidaten für den zweiten Wahlgang – der Jurist war erst vor wenigen Tagen in die CDU eingetreten. Ein echter Popcorn-Moment. Aber auch eine Umdrehung zu viel: Gröhler schleppte sich mit zerrissenem Anzug und einer Stimme Vorsprung ins Ziel (34 zu 27 bei sechs Enthaltungen und einem Nein-Votum) – aber wenn er sich umdreht, sieht er rauchende Trümmer.
Bereits am Vortag war es bei den Nominierungen für die Bezirks- und Abgeordnetenhauswahlen so wild zugegangen wie einst bei der Alternativen Liste. So scheiterte JU-Vize Philipp Dillmann, im vergangenen Jahr am Sturz von Evers beteiligt, mit dem Versuch, fürs Agh aufgestellt zu werden. Und auch für den stellvertretenden Bezirksbürgermeister Arne Herz ist kein Platz mehr. Die Chancen der SPD, den Bundestagswahlkreis Cha-Wi direkt zu gewinnen, sind angesichts des Zustands der Konkurrenz jedenfalls schlagartig gestiegen.