Berlins Kinos bejubeln Ansturm nach dem Lockdown
Die große Sehnsucht bei Cineasten bricht sich Bahn und lässt Kinobetreiber hoffen. Wird der Sommer zum Happy End? Von Robert Ide.
„Dein Lachen auf Spanisch, dein Lachen auf Englisch, das kann einen fertig machen“, sagt Bruno zu Daniel. „Ich halte einfach dein Lachen nicht mehr aus.“ Ja, es darf viel gelacht werden beim Duell in einer Berliner Eckkneipe zwischen Sülze und Schnaps, bei dem der Ost-Berliner Ur-Einwohner Bruno (der wieder grandiose Peter Kurth) den polyglotten Schauspieler Daniel (Daniel Brühl) seine Rolle als eingekaufter Berliner nicht abkauft. Der Film „Nebenan“, der schon bei der Berlinale begeisterte (Trailer hier), läuft ab jetzt im Kino. Und die Gentrifizierung in Berlin spielt gleich nebenan (meine Kolumne hier).
Daneben geht mit „Minari“ ein mit vielen Oscar-Nominierungen prämiertes Drama über eine koreanische Familie, die in Amerika eine Farm aufbaut, von der Filmrolle (Trailer hier). Und in den Multiplexen spielt der Spionage-Actionthriller „Black Widow“ (Vorschau hier), der auch gestreamt werden kann, frisches Geld in die Kinokassen. Die können das nach acht Monaten Filmriss und bei einer vorgeschriebenen Auslastung von einem Drittel gut gebrauchen.
Und ja, es haut einen wirklich anders vom Hocker, mal wieder vor einer großen Leinwand zu sitzen und sich im Kinosessel gemeinsam mit anderen mitreißen zu lassen. „Die Nachfrage ist ausgezeichnet“, berichtet Sven Loose vom neu eröffneten Friedrichshainer Kiezkino „Intimes“ (Interview hier). „Einen Publikumsansturm in den Kinos“ registriert auch Katja Schubert von der Yorck-Gruppe nach den ersten beiden Filmwochen. Ingrid Breul-Husar von Cinemaxx preist in der Checkpoint-Umfrage „den Duft des Popcorns“. Und Robert Taeger von Cine-Star erzählt: „Die Wiedersehensfreude ist bei Gästen wie Mitarbeitern gleichermaßen groß.“ Wir sehen uns also vor der Leinwand – bevor es dunkel wird in Berlins leuchtenden Kinosälen.