Moses Pölking und Checkpoint-Leser diskutieren über „Onkel Toms“ Umbennenung
Reden ist Silber, Zuhören ist Gold. Rund 20 Checkpoint-LeserInnen haben sich am gestrigen Abend – natürlich coronakonform auf 1,5 Metern Abstand – im Tagesspiegel-Innenhof versammelt, um gemeinsam mit Moses Pölking über seine Petition zur Umbennenung von „Onkel Toms Hütte“ zu diskutieren. Grün-Schwarze Bezirksverordnete waren ebenso vertreten wie Anwohner, „die teilweise schon ihr gesamtes Leben in der Onkel-Tom-Straße wohnen“. „Die Menschen fühlen sich mit dem Ort und dem Namen verbunden“, sagt einer. „Ich verstehe nicht, warum das rassistisch sein soll“, sagen mehrere. „Verletzte Gefühle sind für mich das stärkste Argument für eine Straßenumbenennung“, sagt Moses Pölking. „Seit mehr als fünf Jahren habe ich an der Station ein ungutes Gefühl, wenn ich aussteige. Das löst Dinge in mir aus, erinnert mich daran, wie ich als Kind Negerküsse essen sollte und dass ich beim Basketball als Nigger bezeichnet werde. Daran, dass Leute mir immer wieder sagen, ich solle dahin gehen, wo ich herkomme. Ja, wohin denn? Nach Moabit? Nur, weil Leute das nicht verstehen, bedeutet das nicht, dass er weniger schlimm ist.“
Weil manchmal ja schon Fragen helfen, den eigenen Horizont zu erweitern, hier noch ein paar Anstöße, die in der Debatte aufgekommen sind – zum Nachdenken und Weiterreichen: Nach wem wurde „Onkel Toms Hütte“ eigentlich benannt – nach dem lokalen Wirt oder dem Buch von Harriet Beecher Stowe aus dem Jahre 1851? Ist das Buch rassistisch oder ein „Anti-Sklaverei-Buch“? Welche Rolle hat Onkel Tom in dem Roman? Wurde er als Sklave entmenschlicht oder war er ein Held? Wussten Sie, dass Onkel Tom in den USA als Schimpfwort genutzt wird? Spielt das Buch für die aktuelle Debatte überhaupt eine Rolle? Haben nur AnwohnerInnen das Recht, mitzudiskutieren, weil sie das Privileg haben, zufällig dort zu wohnen? Gehört der Name „Onkel Toms Hütte“ zur Berliner Identität? Was wiegt wichtiger: die Berliner Identität oder der Bezug zur Sklaverei? Was würden Nachfahren von Sklaven zu dem Namen sagen? Wie relevant sind internationale Interpretationen für eine lokale Sache? Wie relevant sind persönliche Empfindungen für eine gemeinschaftliche Entscheidung? Würden Sie sagen, dass Sprache Menschen verletzen kann? Wer definiert, was verletzt? Und: Wem tut das weh, wenn die Straße umbenannt wird?