„Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Pflegekräfte“
Das Gesundheitssystem sei wegen Corona „zu keiner Zeit“ überlastet gewesen? Intensivpfleger Ricardo Lange ist von der Aussage des Gesundheitsministers entsetzt. Von Robert Ide
Zahlen zum Vergessen liefern auch die steigenden Corona-Inzidenzen. Das Corona-Kabinett unter Leitung von Noch-Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) will sie deshalb jetzt als Richtwert der Pandemiepolitik abschaffen. Für den Kampf gegen die „Pandemie der Ungeimpften“, die die Bundesregierung heraufziehen sieht, soll allein die Belegung von Krankenhausbetten ausschlaggebend sein. Intensivpfleger Ricardo Lange, der im Tagesspiegel seit mehr als einem Jahr aus dem schweren Alltag auf den Krankenstationen berichtet, warnt davor, die Inzidenzen aus den Augen zu verlieren. Am meisten regt er sich aber über die Aussage des Gesundheitsministeriums von Jens Spahn (CDU) auf, das Gesundheitssystem sei bisher zu keiner Zeit überlastet gewesen. „Das ist ein Schlag ins Gesicht aller Pflegekräfte“, sagt Lange am Checkpoint-Telefon.
„Jens Spahn hat entweder nicht zugehört oder in der Corona-Zeit nichts dazugelernt. Viele Intensivstationen waren schon vor der Pandemie überlastet“, berichtet Lange. So sei es kein Wunder, dass Berlins Pflegekräfte derzeit auf der Straße statt auf den Stationen seien und Berlins Politik in den Panikmodus versetzten (aktueller Report hier). Kurz vor der Wahl könnte in den Krankenhäusern das Limit des Menschenmöglichen wieder ausgereizt sein. Oder, wie Ricardo Lange sagt: „Überlastung und Kollaps sind zwei unterschiedliche Dinge.“