Zu spät dran: Kölns Oberbürgermeister hält Berlins Olympiabewerbung für aussichtslos
Thorsten Burmester, Kölns Oberbürgermeister und früherer DOSB-Chef glaubt nicht an Berlins Olympiaträume. Ein entsprechender Volksentscheid 2027 wäre bereits zu spät. Von Anke Myrrhe und Jessica Gummersbach.
Und damit kommen wir zur anderen Bewerbung, die Berlin gern demnächst abschicken würde. Am Freitag soll die Olympia-Kampagne im Velodrom vorgestellt werden, dem Vernehmen nach soll sie die Kinder in den Mittelpunkt stellen (wie wäre es mit: „Gebt den Kindern die Spiele“?). Warten wir’s ab – und hören solange, was man tief im Westen so von sich gibt:
Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester hält die Olympiabewerbung Berlins für aussichtslos, weil es hier frühestens im Februar 2027 zu einem Volksentscheid kommt. Im Gespräch mit dem Checkpoint sagt Burmester: „Damit hätten sie fünf Monate nach einer Entscheidung über den nationalen Bewerber in Berlin das Risiko, dass es keine demokratische Legitimation gibt. Das kann der DOSB nicht sehenden Auges machen.“
Und wie der Deutsche Olympische Sportbund tickt, weiß Burmester genau: Von Anfang 2022 bis zu seiner OB-Kandidatur Ende 2024 war er selbst Vorstandsvorsitzender des DOSB. Burmester verfügt in der Szene seit vielen Jahren über ein feines Netzwerk: Von 2002 an arbeitete er im Sportreferat des Kanzleramts von Gerhard Schröder, später wechselte er als stellvertretender Leiter in die Sportabteilung des Innenministeriums von Wolfgang Schäuble. Vor seiner Zeit als DOSB-Chef war Burmester dann noch Generalsekretär des Nationalen Paralympischen Komitees.
Dass es in Berlin keine rechtzeitige Befragung der Bürgerinnen und Bürger durch die Politik gibt, hält Burmester für den entscheidenden Nachteil. „Berlin meint als einzige Bewerberstadt, eine Bewerbung so nicht legitimieren zu müssen.“ Köln als zentrale Stadt der Bewerbung „Köln-Rhein-Ruhr“ (insg. 17 Kommunen) hat in der vorigen Woche eine Kampagne für die Briefwahl am 19. April gestartet, in Hamburg gibt es am 31. Mai ein Referendum. In München stimmten bereits im vergangenen Oktober 66,4 Prozent für eine Bewerbung.
Anders als bei der Konkurrenz gibt in Berlin die Verfassung eine solche „Volksabstimmung von oben“ nicht her. Hamburg dagegen hatte bereits für die letztlich gescheiterte Olympiabewerbung 2015 extra die Verfassung geändert, um eine solche Volksabstimmung möglich zu machen. In Bayern ist über die Gemeindeordnung kommunalrechtlich geregelt, dass der Stadtrat einen Bürgerentscheid ansetzen kann. In Köln erlaubt die Kommunalverfassung den Ratsbürgerentscheid. Burmester sagt dazu: „Berlin wollte keine Verfassungsänderung“ – und habe sich damit quasi selbst aus dem Rennen genommen.
Der DOSB will im Herbst 2026 entscheiden, welche deutsche Stadt dem IOC vorgeschlagen wird. DOSB-Insider Burmester sagt: „Das ist eine rationale Entscheidung“. Berlin habe wegen des später stattfindenden Volksentscheids der NOlympiabewegung keine Chance mehr, egal wie er ausgeht. Hamburg fehlten die Kapazitäten und ist bereits einmal gescheitert. Köln-Rhein-Ruhr biete am meisten Möglichkeiten und könne 14 Millionen Tickets für die Spiele verkaufen. München meine, alles besser zu wissen, täusche sich aber. Burmester: „Mein Gefühl sagt mir: Ich würde es dem Söder gerne zeigen.“