Mord an Weizsäcker-Sohn aus wahnhaftem Hass auf die Familie

Der Mord an dem Arzt Fritz von Weizsäcker, der am Dienstagabend während eines Vortrags in der Schlosspark-Klinik niedergestochen worden war, erschüttert Berlin. Die Polizei hat den 57-jährigen Gregor Sch., der in Berlin geboren wurde und in Rheinland-Pfalz lebt, nach seiner Tat festgenommen. Laut Aktenlage bei der Polizei soll es sich um einen „offensichtlich geistig verwirrten Mann" handeln. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft gab er im Verhör an, Fritz von Weizsäcker gezielt getötet zu haben; Tatmotiv sei demnach eine „wohl wahnbedingte allgemeine Abneigung des Beschuldigten gegen die Familie des Getöteten“. Der Täter begründete dies mit der Rolle Richard von Weizsäckers beim Ingelheimer Chemiekonzern Boehringer Ingelheim. Der spätere Bundespräsident war dort von 1962 bis 1966 Mitglied der Geschäftsführung, im Jahr 1967 lieferte Boehringer Ingelheim 720 Tonnen Trichlorphenolatlauge an den US-Konzern Dow Chemical. Und damit einen Grundstoff für Agent Orange, ein Entlaubungsmittel, das im Vietnamkrieg großflächig eingesetzt wurde und dort bis heute ungeborene Kinder im Mutterleib schädigt. Richard von Weizsäcker hatte angegeben, erst nach seinem Ausscheiden aus dem Chemie-Konzern von dem giftigen Geschäft erfahren zu haben.

Ein Polizist außer Dienst, der den Anschlag auf den Arzt spontan noch verhindern wollte und dabei schwer verletzt wurde, ist mittlerweile außer Lebensgefahr. Fritz von Weizsäcker hinterlässt eine Frau und drei Kinder.