Nach der Wahl in Polen: Berlins Community plant neue Projekte
Weil nun ein liberales Bündnis an die Macht kommt, ist die Deutsch-Polnische Gesellschaft mit Sitz in Charlottenburg erleichtert. Viele Menschen waren von der bisherigen Regierung „abgeschreckt“, so der Verein. Von Robert Ide
Hoffnung in die Demokratie blüht nicht einmal 100 Kilometer von Berlin entfernt. Nach der Wahl der europafreundlichen Opposition in Polen ist die Deutsch-Polnische Gesellschaft mit Sitz in Charlottenburg erleichtert. „Die antideutschen Ressentiments der bisherigen Regierung haben viele Menschen abgeschreckt, nach Polen zu fahren und unsere Arbeit erschwert“, erzählt Anita Baranowska-Koch am Checkpoint-Telefon.
Die vor 50 Jahren in Berlin gegründete Gesellschaft organisiert Jugendaustausch und Bildungsdialog, Lesungen und Debatten zwischen den Nachbarländern, die sich zuletzt mental voneinander entfernten. „Die letzten acht Jahre haben wir mit Bauchschmerzen gearbeitet und Mitglieder verloren“, erzählt die Hobbyhistorikerin, die in Warschau geboren wurde, noch vor dem Mauerfall nach Deutschland kam und seit zehn Jahren in Berlin lebt.
Am Donnerstagabend organisiert die Gesellschaft einen Literaturabend in der Humboldt-Bibliothek Tegel unter dem Motto „Lesen, was die Nachbarn schreiben“ mit der Autorin Brygida Helbig (Infos hier). Für das kommende Jahr ist ein Graffiti-Wettbewerb zur Aufarbeitung des Warschauer Aufstandes geplant.
In Berlin leben 110.000 Menschen mit polnischem Pass, die Community ist die zweitgrößte nach der türkischen. Baranowska-Koch, die sich trotz der Ermordung ihres Großvaters im KZ Auschwitz ihr Leben lang für die Versöhnung beider Völker einsetzte und mit ihrem deutschen Mann in einer zweisprachigen Familie lebt, wirbt dafür, dass Berlinerinnen und Berliner wieder verstärkt ins Nachbarland fahren.
„Es gibt eine Menge, dass die Deutschen lernen können: Warschau ist komplett digitalisiert, da werden Arzt- und Behördentermine elektronisch abgewickelt, überall in der Stadt gibt es W-LAN und die Kinder werden in der Schule digital geschult.“ Die Zukunft einer modernen Stadt, Berlin ist nicht einmal 100 Kilometer von ihr entfernt.