AfD-Abgeordneter Martin Trefzer verteidigt Ausschuss-Teilnahme
Martin Trefzer ist mit dem Coronavirus infiziert. Während sein Test bearbeitet wurde, war er im Parlament. Trefzer sieht kein Fehlverhalten. Aus dem Checkpoint. Von Stefan Jacobs
Der mit dem Coronavirus infizierte AfD-Abgeordnete Martin Trefzer widerspricht der Darstellung im CP von gestern, wonach er leichtfertig an einer Ausschusssitzung teilgenommen und dadurch andere Abgeordnete gefährdet habe, statt in häuslicher Quarantäne auf sein (letztlich positives) Testergebnis zu warten: Nachdem er an einer Veranstaltung mit dem (coronainfizierten) israelischen Botschafter teilgenommen habe, sei er zum Test eingeladen worden, aber bereits eine Stunde später habe die Verwaltung des Abgeordnetenhauses unter Berufung auf „die Amtsärzte“ Entwarnung für die Teilnehmer dieser Veranstaltung gegeben. Daraufhin habe er – ebenso wie andere Abgeordnete, die bei der Veranstaltung waren – weitergearbeitet und fünf Tage später im Ausschuss gesessen. Erst danach habe er zu seiner großen Überraschung von dem positiven Testergebnis erfahren. Sein Fall liege also ebenso wie der der anderen Abgeordneten.
Trefzers Darstellung endet mit ein paar Absätzen Empörung („unkollegial“ / „verlogen“ / „infam“ / „schäbig“). Allerdings passt sie nicht zu den Schilderungen dreier von Trefzer namentlich genannter anderer Abgeordneter. Die waren – im Unterschied zu Trefzer und dessen ins cc der Beschwerdemail gesetztem Pressesprecher – erstens für den Tagesspiegel zwecks Rückfragen zu sprechen und versicherten zweitens übereinstimmend, sie seien gar nicht zum Coronatest eingeladen worden. Demzufolge war Trefzer der einzige, der bei der Ausschusssitzung am Dienstag aufs Ergebnis seines Tests wartete. Und die Parlamentsverwaltung widerspricht auf Twitter der Behauptung der AfD-Fraktion („AGH-Verwaltung hatte keine Bedenken an Trefzers Ausschussteilnahme“): „Uns ist nicht bekannt, dass am Montag oder Dienstag nach unserer Einschätzung gefragt wurde.“