Ausbau von „sozialer Infrastruktur“: Wie können in Berlin neue Freiräume für ältere Menschen geschaffen werden?
Die Hauptstadt wächst stetig. Wie können die Berliner Kieze einer immer älter werdenden Bevölkerung und ihren Bedürfnissen gerecht werden? Vor allem soziale Faktoren sollen bei der künftigen Planung eine Rolle spielen. Von Robert Ide.
Die Hauptstadt wächst, der Platz aber wird nicht mehr. Die Bedürfnisse der Menschen ändern sich über die Jahre, doch viele Kieze ändern sich zu langsam mit. Wie können die Quartiere lebendig und lebenswert bleiben, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner älter werden? „Zu jedem Wohnraum gehört ein Freiraum, den man leicht erreichen kann“, sagt Landschaftsarchitektin Barbara Willecke, die in Wedding den lange öden Maxplatz zu einem Treffpunkt umgestaltet hat. Hier am nördlichen Ende des Drogen-Hotspots Leopoldplatz gibt es nun Spielgeräte für Kinder, Schaukeln und Boxsäcke für Erwachsene sowie leichte Trainingsgeräte für Ältere. „Freiräume sind soziale Infrastruktur“, erklärte Willecke am Montagabend bei einer ausverkauften Tagesspiegel-Debatte in der Urania zu den Kiezen der Zukunft.
Eine Vision für das alternde Berlin ist die Fünf-Minuten-Stadt der kurzen Wege, in dem die sozialen Bedürfnisse im Vordergrund der Planungen stehen. Wie Berlin barrierefrei und ressourcenschonend umgestaltet werden kann, diskutierten Planerinnen und Experten auf Einladung der Architektenkammer. Vorgestellt wurde dabei der Umbau eines Bürokomplexes im Märkischen Viertel in ein Seniorenwohnhaus mit kleinen Räumen und Begegnungsorten, die Errichtung von geschützten Lebenshäusern für ältere queere Menschen mit integrierter Nachbarschafts-Kita durch die Schwulenberatung Berlin, vom Bezirk betreute Spaziergruppen für ältere Menschen in Lichtenberg sowie der kleinteilige Umbau von Stadtplätzen, in denen man Schatten und neue Kontakte finden kann.
Miriam Boger, Koordinatorin im Gesunde-Städte-Netzwerk, die die Hitzeanpassung des Lausitzer Platzes in Kreuzberg begleitet hat, ist überzeugt: „Eine Stadt, in der man gerne leben will, lebt von der Kombination aus Drinnen und Draußen und von verschiedenen Generationen an einem Ort.“ Ein Anfang könnten leichte Trainingsgeräte für Ältere auf Kinder-Spielplätzen sein. Würden Sie, liebe Leserinnen und Leser, die benutzen?