Kalayci schickt Impfpost an Jugendliche

Mit einem Brief appelliert die Gesundheitssenatorin an Teenager, sich gegen Corona impfen zu lassen – ob die damit auch erreicht werden? Aus dem Checkpoint. Von Anke Myrrhe

Kalayci schickt Impfpost an Jugendliche
Dilek Kalayci (SPD), Gesundheitssenatorin von Berlin, besichtigt das Corona-Behandlungszentrum Jafféstraße. Foto: Michael Kappeler/dpa

„Inzwischen sind wir in der Impfkampagne so weit, dass wir gezielte Angebote brauchen, um junge Menschen zum Impfen zu motivieren“, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Montagabend während des ersten Club-Impf-Events in der Arena Treptow (heute ab 20 Uhr geht’s weiter). Ansprechen soll die pandemisch-sterile Partyatmo (die vom wahren Club-Leben etwa so weit entfernt ist wie Berlin von Bielefeld) laut Kalayci vor allem auch Jugendliche. Dass nicht mal ein Drittel der bereitliegenden Dosen verimpft wurde (420 von 1500) kann man angesichts der partymüden Impfkampagne vielleicht als Erfolg verkaufen – reichen wird es aber nicht. Von den Jugendlichen ab 16 Jahren sind bislang nur elf Prozent vollständig geimpft – trotz der Wunden des Wechselunterrichts.

Was also würden Sie tun? Klar: einen Brief schreiben (aka Medium der Zukunft). „Liebe jungen Berlinerinnen und Berliner“, schreibt die Senatorin mit Datum 28. Juli direkt adressiert an die Minderjährigen und nicht etwa an deren Erziehungsberechtige. „Ich möchte Euch über das Thema Impfen informieren.“ Zwar wird nicht verschwiegen, dass die Ständige Impfkommission keine Empfehlung zur Impfung „für Eure Altersgruppe ab 12 Jahren“ abgegeben habe. „Zu den Nach- und Nebenwirkungen der Impfung wusste man zum Zeitpunkt der Empfehlung nicht so viel. Daher war die Stiko vorsichtig“, schreibt Kalayci. „Inzwischen wurden ca. 10 Millionen Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren weltweit geimpft.“ Es folgen Informationen über Terminbuchungen – und der Zusatz, der diese tausenden Briefe ebenso überflüssig wie übergriffig erscheinen lässt: Unter 16 müssen die Eltern ohnehin mitkommen, darüber braucht es zumindest eine Einverständniserklärung. Ausdrucken müsst Ihr die aber bitte selbst, liebe Jugendliche. Und dann am besten per Rohrpost ans Impfzentrum kabeln.