Antisemitismus in Berlin - vier Tage, vier Vorfälle
Wer Zeuge eines antisemitischen Vorfalls werde, sollte diesen dokumentieren und Solidarität mit Betroffenen zeigen, rät die RIAS. Von Ann-Kathrin Hipp und Teresa Roelcke.
Die Recherche- und Informationsstelle RIAS hat in den vergangenen Tagen bereits deutschlandweit zahlreiche antisemitische Vorfälle registriert, darunter auch einige in Berlin. Eine Auswahl, die wieder einmal zeigt, dass Antisemitismus nicht nur in Geschichtsbüchern zu finden ist:
Am 9. Mai reagierte eine Person auf die Instagram-Story einer jüdischen Frau aus Berlin, die zum Ende des Shabbats ein Bild von einem Brettspielabend mit ihrer Familie mit dem Gruß „Shavua Tov“ gepostet hatte: „Palästina für immer ihr israelischen bastarde ich hoffe gott bestrafte euch hürensohne“ [sic!].
Am 10. Mai schrieb eine Person an eine in Berlin ansässige jüdische zivilgesellschaftliche Einrichtung eine Direktnachricht auf Facebook: „Möge sich Gott an euch Juden rechen für das was ihr Palästina antut. Schmort in der Hölle dafür!“
Am 11. Mai postete ein jüdischer Berliner eine israelsolidarische Nachricht auf Instagram. Personen reagierten mit „Israel are the real monsters and real hitler“, „Free the world from Israel“, „I miss Hitler. He should come back for a quick wipe out“ oder „Möge Allah alle Vernichten die gegen muslime sind“.
Am 12. Mai beobachtete ein Mann eine Frau in Neukölln, die ein Poster abfotografierte, auf dem zu einer Versammlung anlässlich des Nakba-Tags aufgerufen wurde. Er kam auf sie zu und beschimpfte sie mit „Fick dich Juden Schlampe“. Die Betroffene trug eine Davidsternkette.
Sollten Sie selbst in den kommenden Tagen Zeuge eines antisemitischen Vorfalls werden, rät Alexander Rasumny von RIAS vor allem zwei Dinge: 1) Solidarität mit Betroffenen zeigen und sie nicht mit ihren Erlebnissen allein lassen und 2) die Vorfälle unter https://report-antisemitism.de, info@report-antisemitism.de oder 0152 / 133 621 98 melden. In manchen Fällen sei auch eine zusätzliche polizeiliche Anzeige angemessen. „Dokumentation von Antisemitismus hilft, die Gesellschaft für Antisemitismus zu sensibilisieren und klare Haltung gegen Antisemitismus zu entwickeln.“
Der Berliner Senat wird – anders als diverse Berliner Bezirksparlamente und Institutionen – vorerst keine israelische Flagge platzieren, um sich solidarisch mit dem Land zu zeigen. Eine Sprecherin der Innenverwaltung teilt auf Checkpoint-Anfrage mit: „Bei außenpolitischen Ereignissen folgt das Land Berlin üblicherweise etwaigen Beflaggungsanordnungen des Bundes. Daher ist aktuell nicht geplant, am Roten Rathaus oder anderen Senatsverwaltungen eine israelische Flagge zu hissen.“