Berlinale-Leitung muss zum Rapport
Die Weltpolitik lässt auch die Berlinale nicht los, obwohl Berlins Filmfestspiele schon vor zwei Wochen zu Ende gegangen sind. Doch vergangen sind sie nicht, die einseitigen Friedensaufrufe an Israel auf der Abschlussgala, die den Terror der Hamas im Nahost-Konflikt absichtsvoll aussparten. Kulturstaatsministerin Claudia Roth (Grüne), wegen allzu lange toleriertem Antisemitismus im Kulturbetrieb selbst unter Druck, zitierte die scheidende Berlinale-Leitung am Montagabend zum Aufsichtsrats-Rapport. Nach der danach von Roths Haus verbreiteten Erklärung soll das Festival künftig sicherstellen, dass sich zwar Gäste und Preisträger im Rahmen der Meinungs- und Kunstfreiheit äußern könnten, „dass für die Berlinale andererseits aber Raum für politische Einordnung und Gegenrede bleibt“.
Zudem soll nach den wieder gelöschten antisemitischen Social-Media-Posts vom Account der Berlinale-Sektion Panorama künftig „eine unautorisierte Nutzung der Social-Media-Kommunikation der Gesellschaft“ ausgeschlossen werden – was trotz der laufenden Polizei-Ermittlungen durchaus den Schluss nahelegen kann, womöglich könnte ein Mitarbeitender der Berlinale etwas mit den Posts, die die Berlinale-Leitung umgehend zur Anzeige gebracht hat, zu tun gehabt haben. Auch einen Fingerzeig für die künftigen Festspiele gibt die Erklärung. Demnach begrüßt der Aufsichtsrat „Überlegungen der designierten Intendantin Tricia Tuttle zu organisatorischen Veränderungen bei der Berlinale, insbesondere zum Aufbau eines starken Leitungsteams“. Was wohl heißen soll: Bislang gab es das hier nicht. Was Roth allerdings ziemlich spät auffällt. Beim Filmegucken sollte auch sie künftig aufmerksamer sein.