Berlin ist auf dem Weg zu einer neuen Dürrekrise

Zum Weinen ist die Niederschlagsbilanz dieses Jahres: Bis auf den Februar waren alle Monate zu trocken. Das zeigen die Zahlen von Meteorologe Jörg Riemann. Von Stefan Jacobs

Berlin ist auf dem Weg zu einer neuen Dürrekrise
Vertrocknete Zweige von einem Kugelahornbaum auf dem Gendarmenmarkt in Berlin. Foto: Jens Kalaene/dpa

Ab heute ist Winter, jedenfalls meteorologisch. Der Herbst war etwa eineinhalb Grad wärmer als normal – und damit in Berlin der sechstwärmste seit Aufzeichnungsbeginn 1908. Der Oktober war sogar der wärmste seiner Art. Zum Weinen ist die Niederschlagsbilanz dieses Jahres: Bis auf den Februar waren alle Monate zu trocken. Mit bisher 306 Litern pro Quadratmeter (an der Referenzstation Dahlem; langjährig normal sind knapp 600 Liter) wird 2022 nicht nur das fünfte zu trockene Jahr in Folge, sondern auch einen neuen, für die Natur fatalen Dürrerekord aufstellen.

„54 Liter fehlen noch bis zum Wert des bisher trockensten Jahres 2018“, sagt Jörg Riemann, Chefmeteorologe der „Wettermanufaktur“, die die Daten für den CP zusammengestellt hat. „Diese Menge werden wir im Dezember nicht mehr schaffen.“ Denn über Russland sitzt ein Riesenhoch, das uns zwar Kälte bringt, aber kaum Regen oder Schnee. Die weiteren Aussichten: Der Waldzustandsbericht 2023 wird noch deprimierender als der aktuelle.