"Vollzeitarbeit und Kinderbetreuung sind auf Dauer nicht zu stemmen"
Happy Homeoffice? Bildungssenatorin Scheeres meint, „viele Eltern sind am Rand ihrer Kräfte“. Dennoch müssten Empfehlungen der Experten beachtet werden. Von Anke Myrrhe
Wie aus einer anderen Welt kam mir dieser Tage auch die Idee des Bundesarbeitsministers vor, ein Recht auf Homeoffice gesetzlich zu regeln. Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich kenne derzeit nur Menschen, die sich mal wieder ein Recht aufs Office wünschen – aber da kann die SPD nun wirklich nichts dafür (außer vielleicht fehlendes Gespür für Timing). Die Berliner Bildungssenatorin derselben Partei ist jedenfalls nicht der Meinung, dass Kinderbetreuung locker aus dem Homeoffice heraus gestemmt werden kann. Diesen Eindruck hatten viele Eltern in den vergangenen Tagen bekommen, wenn sie von der Kita hörten, sie hätten (Systemrelevanz hin oder her) keinen Anspruch auf Notbetreuung, wenn der Partner im Homeoffice arbeite. Denn Eltern haben nach wie vor nur dann einen Anspruch auf Betreuung, „wenn sie keine andere, häusliche Form der Betreuung ermöglichen können“.
Wie viel möglich ist, haben die Eltern in den vergangenen sechs Wochen ziemlich eindrucksvoll bewiesen – nur kann das dauerhaft gut gehen? „Vollzeitarbeit und Kinderbetreuung sind auf Dauer nicht zu stemmen“, sagte Scheeres dem Checkpoint. „Viele Eltern sind nach mehreren Wochen Corona-Schließzeit am Rand ihrer Kräfte. Das ist mir als Mutter von zwei Kindern vollkommen bewusst.“ Dennoch müssten bei der Öffnung die Empfehlungen der Experten beachtet werden.
Rund 20 Prozent der Eltern hätten einen Anspruch auf Notbetreuung angemeldet, sagte Scheeres gestern. Wie viele diese unter den sehr strengen Hygieneauflagen tatsächlich wahrnehmen, wisse man erst Ende der Woche. Wenn sich Eltern und Kita nicht einige werden können (zum Beispiel über eine Teilzeitbetreuung), entscheide die Kita-Aufsicht. Solche Fälle gebe es bereits, sagte Scheeres. Außerdem will sie nun eine Hotline einrichten, um Streitfälle zu klären. „Alle müssen bedenken: Wir sind noch immer in einer Ausnahmesituation. Es ist weiterhin erforderlich, soziale Kontakte zu reduzieren.“
Und während die Kitaleitungen versuchen, ihre Kleingruppen auf den Höfen mit Absperrbändern voneinander fernzuhalten, werden morgen an allen Spielplätzen der Stadt die Absperrbänder entfernt, damit sich die Kleingruppen nach der Kita zum fröhlichen Virentausch treffen können. CP-Weisheit Nr.1 dieser Tage: Nur, weil etwas erlaubt ist, müssen Sie es nicht tun.