Drei Mütter und acht Vorbilder: Diese Frauen haben Berlins Senatorinnen und Senatoren beeinflusst
Auf Checkpoint-Anfrage nennen Berlins Senatorinnen und Senatoren ihre weiblichen Vorbilder, von Michelle Obama über Simone de Beauvoir bis zur eigenen Mutter. Von Jessica Gummersbach und Sönke Matschurek.
Frauentag war gestern, doch wir machen einfach mal ernst mit dem „…ist jeden Tag“-Gerede und liefern gleich mal die Verlängerung. Alle Senatorinnen und Senatoren haben auf Checkpoint-Anfrage verraten, welche Frauen sie inspiriert und geprägt haben. Auffällig: Die Herren sind sich sehr einig. Aber lassen wir ausnahmsweise den Frauen den Vortritt, hier die (teilweise gekürzten) Antworten:
+ Franziska Giffey (Wirtschaft, Energie & Betriebe): „Michelle Obamas Weg und ihr Leitspruch ‚When they go low, we go high‘ prägen meine Arbeit seit Jahren. Frauen können das besser als viele Männer und deshalb sollten auch mehr in Führungspositionen von Politik und Wirtschaftsein. Ich bin sicher, dann hätten wir eine friedlichere Welt.“
+ Iris Spranger (Inneres & Sport): „Christine Bergmann hat sich in ihren politischen Ämtern konsequent für die Rechte von Frauen eingesetzt. Ihre Fähigkeit, politische Ideale mit Menschlichkeit zu verbinden, und ihr unermüdlicher Einsatz für Gleichberechtigung sind für mich ein großes Vorbild.“
+ Katharina Günther-Wünsch (Bildung, Jugend & Familie): „Rita Süssmuth hat mich als Frau in der Politik mit ihrer Klarheit und Überzeugung nachhaltig geprägt. Bis heute ist für mich ihr Leitsatz ‚Erfolg ist einmal mehr aufstehen als hinfallen‘ ein wertvoller Begleiter, den ich allen Leserinnen und Lesern ans Herz legen möchte.
+ Sarah Wedl-Wilson (Kultur & Gesellschaftlicher Zusammenhalt): „Eine Frau, die mich sehr geprägt hat, ist Frances Mary Buss, die Gründerin der ersten Mädchenschule im Vereinigten Königreich, der North London Collegiate School in London. Diese Schule durfte ich besuchen. Ihr Engagement und ihre Überzeugung, dass Bildung Türen öffnet, begleiten mich bis heute.“
+ Felor Badenberg (Justiz & Verbraucherschutz): „Shirin Ebadi hat mir früh gezeigt, was es heißt, für Recht und Gerechtigkeit einzustehen. In meinem Geburtsjahr 1975 wurde sie als erste Frau im Iran Richterin und nach der Islamischen Revolution aus dem Amt gedrängt. Ihr Lebensweg erinnert mich bis heute daran, wie stark Recht sein kann, wenn Menschen den Mut haben, dafür einzustehen.“
+ Ute Bonde (Mobilität, Verkehr, Klimaschutz & Umwelt): „Gerade in diesen Tagen denke ich besonders an Margot Friedländer. Nie wieder, so ihr Wunsch, sollen sich die Verbrechen des Nationalsozialismus wiederholen. Für ihre unglaubliche Güte und Kraft und ihren Glauben an das Gute in uns Menschen, stets begleitet von diesem wunderbaren Lächeln, bin ich unendlich dankbar.“
+ Cansel Kiziltepe (Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt & Antidiskriminierung): „Die Berlinerin Jutta Limbach prägt mich nach wie vor, weil sie gezeigt hat: Art. 3 GG ist kein Lippenbekenntnis. Als erste Präsidentin des Bundesverfassungsgerichts hat sie die ‚gläserne Decke‘ durchbrochen. Das macht mir Mut und gibt mir Entschlossenheit: Gleichstellung braucht Auftrag, Druck und Verantwortung.“
+ Ina Czyborra (Wissenschaft, Gesundheit und Pflege): „Besonders inspiriert hat mich Simone de Beauvoir. Ich habe ihre Werke regelrecht verschlungen – sie waren stets geprägt von einem damals noch revolutionären Streben nach Gleichberechtigung, das mich tief beeindruckte, in der Breite der Gesellschaft aber leider bis heute nicht vollständig erreicht wurde.“
Und die Männer? Bitteschön:
+ Kai Wegner (Regierender Bürgermeister): „Meine Mutter, die als Verkäuferin gearbeitet hat, hat mir ein liebevolles und behütetes Aufwachsen ermöglicht. Sie hat mir Wichtiges mit auf den Weg gegeben: Offenheit, Zielstrebigkeit und Besonnenheit.“
+ Stefan Evers (Finanzen): „Meine Mutter. Sie hat mir beigebracht, Verantwortung zu übernehmen und den Müll rauszubringen – Fähigkeiten, die im Leben sehr nützlich sind.“
+ Christian Gaebler (Stadtentwicklung, Bauen & Wohnen): „Mich hat besonders meine Mutter inspiriert – eine emanzipierte Frau, die trotz damals noch viel stärker tradierter gesellschaftlicher Rollenbilder zielstrebig und gleichzeitig warmherzig ihren Weg gegangen ist.“
Wir halten fest: Mama ist die Beste – und das 365 Tage im Jahr.