Novelle des Kitafördergesetzes: Deutsch-französische Kitas bangen um ihre Existenz

In einem offenen Brief bitten elf deutsch-französische Kitas Günther-Wünsch, eine Förderung speziell für zweisprachige Einrichtungen zu ermöglichen. Sie brauchen die Zuschüsse. Von Margarethe Gallersdörfer und Stefan Jacobs.

Novelle des Kitafördergesetzes: Deutsch-französische Kitas bangen um ihre Existenz
Foto: dpa / Fabian Sommer

Von wegen Märchen vorlesen (oder „lire des contes de fées“): Berlins deutsch-französische Kitas bangen um ihre Existenz. Grund ist die von Jugendsenatorin Katharina Günther-Wünsch entworfene Novelle des Kitafördergesetzes, zu der diese Woche im Bildungsausschuss eine Anhörung stattfindet. Eine zentrale Veränderung: Während es bisher Personalzuschläge gibt, wenn mindestens 40 Prozent der Kinder einer Einrichtung zu Hause nicht Deutsch sprechen, sollen ab Januar stattdessen Einrichtungen bezuschusst werden, in denen mindestens jedes fünfte Kind aus einer Familie kommt, die Transferleistungen bezieht.

In einem offenen Brief bitten elf deutsch-französische Kitas Günther-Wünsch nun dringend, diese Umstrukturierung zu überdenken – oder eine Förderung speziell für zweisprachige Einrichtungen zu ermöglichen. Die Personalkosten seien hoch, weil jede Fachkraft in beiden Sprachen arbeiten können müsse. Der Wegfall der bisherigen Zuschüsse würde gerade die von Elternvereinen getragenen Einrichtungen „in eine Situation bringen, die sie nicht aus eigener Kraft kompensieren können“, heißt es in dem Schreiben.

Scharfe Kritik an der Novelle übt auch Lars Békési vom Verband der Kleinen und Mittelgroßen Kitaträger – in einem Gastbeitrag im heutigen Tagesspiegel. Günther-Wünsch versuche mit der Neuerung 40 Millionen Euro zu sparen, sagt er. „Der Senat nennt seine Kürzungen ,Partizipationszuschlag‘. In Wahrheit ist er das Gegenteil: Er schwächt jene, die Teilhabe dringend brauchen und erlaubt Sparen auf dem Rücken der Kinder.“