Für die Tonne: Wie sich die Berliner Bezirke bei der Müllbekämpfung winden

Berlins Straßen haben ein Müllproblem. So weit, so offensichtlich. Was die Bezirke aber auf Anfrage zum Thema Beseitigung abwerfen, gleicht schon einer Kapitulation. Von Lotte Buschenhagen

Für die Tonne: Wie sich die Berliner Bezirke bei der Müllbekämpfung winden
(Un)Gern gesehene Gäste auf Berlins Straßen: Matratzen und anderer Unrat. Foto: Imago/Jürgen Held

Müll, Müll und nochmals Müll: Warum es Berlin nicht gelingt, seine Arrangements aus Säcken, Matratzen und Schrotträdern (Frei nach Twitter: 30 qm, 700€ kalt) loszuwerden, wollte Holger Krestel (FDP) vom Senat wissen. In dessen Antwort überbieten sich die Bezirke mit Erklärungsversuchen, warum es einfach nicht klappen will – eine Runde Bullshit-Bingo:

Charlottenburg-Wilmersdorf:
„Eine ständige ‚Überwachung‘ bestimmter Örtlichkeiten ist aufgrund des vielfältigen Aufgabengebietes, welches ein pulsierender Innenstadtbezirk wie Charlottenburg-Wilmersdorf mit sich bringt, leider nicht möglich.“

Tempelhof-Schöneberg:
„Eine Ermittlung von Täterinnen und Tätern ist nur möglich, wenn diese ‚in flagranti‘ ertappt werden. Dies ist bei nicht ganz kleinen Müllablagerungen üblicherweise aufgrund der im Beisein anderer empfundenen sozialen Kontrolle nicht der Fall.“

Steglitz-Zehlendorf:
„Der im Fernsehen gern gesuchte Adressaufkleber reicht grundsätzlich nicht als Ermittlungsansatz aus, denn er sagt nur etwas darüber aus, wem der Müll bzw. ein Teil davon mal gehört hat, aber nicht, wer ihn abgelagert hat.“

Treptow-Köpenick:
„Die Ergebnisse der bisherigen Kontrollmaßnahmen belegen, dass ‚Massendelikte‘ wie Verunreinigungen durch Zigarettenkippen und Hundekot leichter festzustellen und zu ahnden sind als illegale Haus-, Sperrmüll oder Bauabfallentsorgungen. Bei der Ahndung der letztgenannten Ordnungswidrigkeiten sind auch in Zivil allenfalls ‚Zufallstreffer‘ möglich.”

Immerhin Neukölln beruhigt:

„Das Aufspüren von sogenannten Müllsünderinnen und Müllsündern sowie das Veranlassen der Beseitigung illegaler Müllablagerungen stellt im breiten Aufgabenspektrum des Ordnungsamtes Neukölln eine wichtige Aufgabe dar.“