Betriebsstörungsbingo-Deluxe: Eine Odyssee von Luxemburg nach Berlin

Eine Rückreise aus Luxemburg nach Berlin mit der Deutschen Bahn wird zur Odyssee: Zugverspätungen, Schneechaos und verspätete Ersatzbusse sorgen für acht dramatische Akte. Von Nora Weiler.

Betriebsstörungsbingo-Deluxe: Eine Odyssee von Luxemburg nach Berlin
Foto: dpa / Sven Hoppe

Die Deutsche Bahn bleibt sich auch in diesem Jahr treu (siehe CP von gestern). Eine – selbst für Bahn-Verhältnisse – besondere Odyssee erlebte Checkpoint-Teammanagerin Nora Weiler auf ihrer Rückreise am Sonnabend aus dem verschneiten Luxemburg nach Berlin. Ein Drama in acht Akten.

Akt 1. Mit rund einer Stunde Verspätung komme ich in Frankfurt am Main an. Der Anschlusszug nach Berlin fährt mir deswegen vor der Nase weg. Der nächste ICE startet ebenfalls mit rund einer Stunde Verspätung – Grund: „verspätetes Personal aus einer vorherigen Fahrt“.

Akt 2. Nur wenige hundert Meter vor dem Hauptbahnhof Braunschweig kommt der Zug zum Stehen. Über eine Stunde geht nichts voran – zum Ärger der bereits aussteigbereiten Fahrgäste. Als der Zug wieder anrollt, kommt der Hinweis, dass er zunächst nur in den Bahnhof einfahren könne. Danach müsse man weitersehen.

Akt 3. Um Mitternacht die Info: Die Strecke sei wegen Schneefalls nicht befahrbar. Eine Übernachtung im Hotel werde aufgrund „höherer Gewalt“ nicht übernommen. Stattdessen die Durchsage: Dieser Zug sei nun ein „Hotelzug – herzlich willkommen“. Die Versorgungslage im Hotelzug: Wasser ja, Tee nein, Essen nein. Auf dem Bahnsteig bauen gelangweilte Zuggäste Schneemänner. Eine Schneeballschlacht entwickelt sich. Gewinner: niemand.

Akt 4. Mittlerweile ist es zwei Uhr nachts. Das Zugpersonal informiert, dass nun Busse angefordert wurden, die die Fahrgäste nach Wolfsburg oder direkt nach Berlin bringen.

Akt 5. Fünf Uhr morgens: keine Busse in Sicht. Fahrgäste, Zugpersonal, eine Polizeistreife sowie ein mittlerweile eingetroffener Krisenmanager der Deutschen Bahn versammeln sich auf dem Bahnsteig. Der Krisenmanager wundert sich, dass die angeforderten Busse nicht da sind. Eine Polizistin fragt, ob dies nicht ein Fall für das Technische Hilfswerk gewesen sei.

Akt 6. Um 6 Uhr ist er endlich da: ein einzelner Bus. Über Lautsprecher wird verkündet: „Frauen mit Babys und Kindern zuerst.“

Akt 7. Ein Zugbegleiter rät eindringlich, nicht auf weitere vermeintliche Busse zu warten, sondern den ersten Regionalzug nach Hannover zu nehmen: „Schauen Sie, dass Sie hier wegkommen.“ Mit etwa 20 Minuten Verspätung fährt dieser tatsächlich ab. In Hannover gelingt der Umstieg nach Berlin problemlos.

Akt 8. Ankunft am Berliner Hauptbahnhof um 10 Uhr morgens (statt kurz vor 23 Uhr am Vortag). Auf ein frohes und pünktliches neues Jahr.