Genossenschaft, Giga-Gesellschaft, VEB? Was jetzt mit Hertha BSC passieren könnte

Hertha-Investor Windhorst entfachte mit seiner Rückzugsankündigung mehr als einen Sturm im Wasserglas. Der Checkpoint blickt gebannt in die Glaskugel. Von Julius Betschka

Genossenschaft, Giga-Gesellschaft, VEB? Was jetzt mit Hertha BSC passieren könnte
Viele Hertha-Fans dürfte die Rückzugsankündigung von Investor Lars Windhorst in Freude versetzen. Foto: Imago/Sebastian Räppold/Matthias Koch

Zum Sport: Lars Windhorst will Hertha loswerden – oder ist es andersherum? Das ist so unsicher wie Herthas Klassenerhalt vergangene Saison. Windhorsts Anteile am Verein sind nur noch einen Bruchteil dessen Wert, was er einst auf dem Transfermarkt hingeblättert hatte. Nicht umsonst sagte Ex-Hertha-Boss Werner Gegenbauer kürzlich auf die Frage, was denn die größte Leistung seiner 14-jährigen Amtszeit gewesen sei: „374 Millionen Euro von der Tennor Group einzuwerben. Ohne, dass Hertha BSC nennenswerte Entscheidungsbefugnisse abgeben musste.“ Wie es im Club nun weitergeht, weiß aktuell deshalb niemand so recht. Drei Checkpoint-Szenarien:

+++ Die Genossenschaft. Statt in Staatsanleihen und ETF investieren die Hertha-Fans in ihren Club. Jetzt ist auch schon alles egal! Ein neues Stadion „Berlin Style“ aus Holzpalletten, Strick-Trikots im Fan-Laden, Pal Dardai darf nochmal (und nochmal und nochmal…) und als Dauergegner die Sportfreunde Lotte. Immer: Top-Stimmung!

+++ Die Giga-Gesellschaft: Elon Musk sucht sich ein neues Spielzeug und bezahlt Lars Windhorst aus. Hertha investiert Millionen in E-Sports, ein „amerikanisches Super-Talent“ wird ständig verliehen, ein viel zu teurer Brasilianer ist dauernd verletzt. Trainer: Elon Musk. Manager: Elon Musk. Ultras: Unauffindbar.

+++ Der Volksentscheid. „Hertha und Co. enteignen“ passt irgendwie in den Berliner Zeitgeist – und ist deshalb erfolgreich. Beim ersten Liga-Spiel bricht das E-Ticket-System zusammen. Das Stadion wird nach einigen Jahren wegen Baufälligkeit geschlossen. Mögliche Fusion mit Union. Die waren schließlich auch mal volkseigen.

Kaum weniger unterhaltsam liest sich die ausführliche Rekonstruktion des Machtkampfes bei der alten Dame, die mein Kollege Armin Lehmann geschrieben hat. Er hat mit jetzigen und früheren Vereins-Oberen gesprochen, sie begleitet. Sein Text zeigt vor allem: Hier die gute alte Hertha, dort der böse Investor – das schöne Fußball-Romancier-Schema passt in diesem Fall schlecht. Abonnenten lesen den Text hier.