Amt, aber glücklich – und wie!

Ganz schwach wird einem bekanntlich, wenn man in dieser Stadt einen Termin beim Bürgeramt braucht. Nach monatelangem unmotiviertem Klicken war er plötzlich da: 12.11., 12.12 Uhr. Bis zuletzt vermutete ich eine Guerilla-Aktion des Senats, um Checkpoint-Autorinnen in den Wahnsinn zu treiben. Doch als ich mit dem Fahrrad unsicher suchend die Klosterstraße hinunterfuhr, rief mir schon der freundliche Türsteher entgegen: „Bürgeramt?“ Oh ja!

Linker Fahrstuhl, erster Stock, alles neu und doch behördencharmant. Um 12.13 erscheint die Nummer auf dem Bildschirm, Herzklopfen, guten Tag Herr Lange, der Perso ist seit Februar abgelaufen, sorry, Sie wissen ja ... „Kein Problem“, sagt er langsam und begutachtet das mitgebrachte Foto: „Dit ist ja dasselbe wie beim letzten Mal.“ Ja, stimmt schon, aber … sehen Sie jetzt nicht wegen der Maske: Ich hab‘ mich null verändert. Lange, grinsend: „Sie können sich vorstellen, dass das alle sagen?“ Hm, vielleicht. Lange starrt lange aufs Bild, dann die ernüchternden Worte: „Können wir leider nicht machen, das Foto darf nicht älter als sechs Monate sein.“ Schockstarre. Geht jetzt alles von vorn los? Ein innerer Schrei der Entrüstung ist fast schon raus, als er sagt: „Eine Tür weiter, Fotoautomat, lassen Sie Ihre Sachen einfach hier. Ich warte.“ Äh gut, Kleingeld? „Nein, können Sie alles gleich bei mir bezahlen.“

Fünf Minuten später, immer noch gebannt von der Modernität des Augenblicks, sitze ich wieder vor ihm: Der superschicke Automat hat Fingerabdrücke und digitale Unterschrift gleich mitübertragen. Lange grinst wissend: „Macht 43 Euro 50.“ Als die EC-Karte am Gerät liegt, blinkt es auf. „Maximale Anzahl der kontaktlosen Zahlungen erreicht.“ Hoffentlich wird’s bei der Bank genauso schön.