Lottostiftung mahnt Berlinale: Existenzrecht Israels achten

Auch einen Tag nach der Berlinale sucht Deutschlands größte Kulturveranstaltung nach den richtigen Worten im Nahost-Konflikt. Nach der zur Pro-Palästina-Show verkommenen Abschlussgala, bei der im Gegensatz zur Eröffnungsfeier so gut wie kein Wort über das Leid Israels unter dem Terror der Hamas gefallen war, stattdessen aber Israel von Preisträgern auf der Bühne „Apartheid“ und ein „Genozid“ an Palästinensern vorgeworfen wurde, wird die Förderung des Festivals durch das Land Berlin kritisch hinterfragt. Auch die Berliner Lottostiftung hat die Berlinale erstmals gefördert – mit gut einer Million Euro für die Präsentation des Festivals und Inklusionsprojekte. Vorständin Marion Bleß mahnt nun bei der Berlinale mehr politische Sensibilität an. „Bei jeder Förderung ist es für uns wichtig, dass unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung geachtet wird“, sagte Bleß dem Checkpoint. „Dazu gehört wegen unserer deutschen Geschichte auch ganz klar das Existenzrecht Israels.“ Ob die Lottostiftung die Berlinale auch im nächsten Jahr unterstützt, ist nach Angaben aus dem Stiftungsrat noch unklar; ein Antrag dafür liegt noch nicht vor.

Zu einem wieder gelöschten Post auf dem Instagram-Account der Berlinale-Sektion Panorama, in dem neben einem Berlinale-Logo das Existenzrecht Israels abgestritten wurde, gab es am Montag wenig weitere Aufklärung. Seitens des Festivals ist die Rede von einem Hackerangriff, einer gestellten Anzeige gegen Unbekannt und nun eingeleiteten Ermittlungen des Landeskriminalamtes. „Die Berlinale verurteilt diesen kriminellen Akt aufs Schärfste“, hieß es.

Am Abend teilte Berlinale-Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek auf Checkpoint-Anfrage außerdem mit: „Wir verstehen die Empörung, dass die Äußerungen einiger Preisträger*innen als zu einseitig und teils auch als unangemessen empfunden wurden.“ Die Leitung habe aber vor und während des Festivals „sehr klar gemacht, was die Sicht der Berlinale auf den Krieg in Nahost ist und dass wir einseitige Positionen nicht teilen“. Am Schluss war dies vielen allerdings nicht mehr klar.

So bleiben noch viele Fragen offen, die die Berlinale klar beantworten muss. Natürlich muss der selbst proklamierte Dialog in weltpolitisch sensiblen Fragen mit internationalen Perspektiven und auch unliebsamen Meinungen stattfinden können, darf dabei aber nicht einseitig ausfallen. Und Antisemitismus darf gerade in Deutschland nicht mit Schweigen oder gar Applaus bedacht werden.